Erst Willkommenskultur, jetzt Schutzmauer: In Neuperlach, einem Stadtteil von München, haben sich sieben Anwohner in einer langen juristischen Auseinandersetzung eine vier Meter hohe Mauer erstritten, die sie vor einer neuen Flüchtlingsunterkunft schützen soll.

Die Mauer ist ziemlich wuchtig, sagt Lisa Weiss, Journalistin beim Bayrischen Rundfunk. Das Bauwerk besteht aus übereinandergestapelten Gitterkästen, gefüllt mit Steinen. Sie zieht sich an mehreren Reihenhäusern vorbei, ist also recht lang. Vor allem aber ist sie hoch…

"Mit 4 Metern ist sie höher als die Berliner Mauer - die war 3,60 Meter hoch."
Lisa Weiss, Journalistin

Die Mauer in Neuperlach-Süd trennt die Reihenhäuser der Anlieger von der Flüchtlingsunterkunft, in die gut 150 jugendliche Flüchtlinge einziehen sollen. Von der Unterkunft aus gesehen, deren Grundstück etwas tiefer liegt, wirkt die Mauer deutlich höher.

Im Netz wird über die Mauer kontrovers diskutiert. Tenor: München, das ja letzten Sommer die Flüchtlinge am Hauptbahnhof so herzlich aufgenommen hat, fährt jetzt plötzlich einen ganz anderen Kurs. Die Sache ist aber etwas komplizierter.

Lärmschutzgründe

Diese Mauer ist das Ergebnis eines langen Rechtsstreits zwischen der Stadt München und einigen Anwohnern. Die Unterkunft sollte eigentlich schon vor mehreren Jahren gebaut werden - nur kam es dann eben zu Protesten der Anwohner. Sieben Parteien haben geklagt mit der Begründung: Das wird zu laut. Sie befürchteten, dass sie in ihrem Haus keine Ruhe mehr haben, wenn gegenüber Jugendliche und jungen Erwachsene wohnen.

Durch die Klagen habe sich der ganze Bau der Unterkunft immer weiter verzögert, sagt Guido Bucholtz vom zuständigen Bezirksausschuss. Deswegen wollten die Stadt und der Bezirksausschuss einen Kompromiss mit den Anwohnern finden, damit sich endlich etwas bewegt. In diesem Sommer haben sich beide Seiten dann zusammengesetzt und sich auf den Bau der Mauer geeinigt. In der Rückschau, sagt Bucholtz, hätte er sich damit nicht einverstanden erklären sollen.

"Mir war nicht wirklich bewusst, wie hoch vier Meter eigentlich sind."
Guido Bucholtz, stellvertretender Vorsitzender im Bezirksausschuss Ramersdorf-Perlach

Die Mauer ist inzwischen ein Politikum. Mittlerweile kommen die Menschen aus ganz München, berichtet Lisa Weiss, um sich die Mauer anzuschauen. Die Meinungen zu dem Bauwerk fallen dabei ganz unterschiedlich aus.

"Das sieht unmöglich aus. Es sind ja keine Kriminellen, die hier wohnen. Das ist lächerlich."
Passant

"Wozu soll die Mauer gut sein? Da finden ja keine Fußballspiele statt, das ist ganz normaler Spiellärm oder Aufenthaltsgeräusche," entrüstet sich eine andere Passantin.

Es gibt aber auch Verständnis für die Anwohner und die Kläger aus der Reihenhaussiedlung: Weil nicht nur Flüchtlinge geschützt werden müssten, sondern "schützen müssen wir auch unsere Einwohner hier, die jahrzehntelang ihre Schulden abbezahlen müssen, um sich ihre Reihenhäuser leisten zu können. Die wollen natürlich nicht so ein Umfeld haben."

Nur in einem sind sich wirklich so gut wie alle einig: Schön ist die riesige Mauer wirklich nicht.

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