Sie saugt sie mit dem Staubsauger von den Wänden. Waldmücken. Die Schwedin Emma Åhlen verkauft die nervigen Plagegeiste an Pharma-Unternehmen.

Schweden, da sind sich viele Deutsche einig, ist ein paradiesisches Urlaubsziel: endlose Wälder, unzählige Seen, dazu hübsche kleine Städte und freundliche Menschen. Und Stechmücken! Dieses Jahr soll, so schwedische Biologen, sogar ein außerordentlich schlimmes Mückenjahr werden - und so sei den Schwedenreisenden unter euch gesagt: Haltet euch an der Küste oder in den Bergen auf, wo auch mal ne Brise die Mücken wegweht.

Impfstoff aus toten Mücken

Emma Åhlens Mücken heißen Skogsmyggor. Mit einem Kescher fischt sie Larven aus dem Wasser. Wenige Millimeter große Kügelchen mit einem kleinen Schwanz. Etwa 40 unterschiedliche Mückenarten gibt es in Schweden. Nach zehn Jahren im Geschäft kennt die aquatische Biologie sich aus - kann anhand der winzig kleinen Härchen am Kopf der Larven erkennen, ob es "ihre" Mücken sind.

"Nachdem ich die Mücken aufgesaugt habe, kommt der Beutel in den Gefrierschrank. Dort sterben sie, und dort hebe ich sie auf, bis ich sie zum Trocknen raushole."
Emma Åhlen, aquatische Biologin

Die Pharmaindustrie braucht ihre Mücken, um aus einem Protein in den Speicheldrüsen der Insekten Allergietests und einen Impfstoff gegen Mückenallergie herzustellen. Wenn sie am Ende der Saison etwa ein Kilo getrocknete Waldmücken an ein Pharma-Unternehmen verkauft, garantiert sie 95-prozentige Reinheit.

Labor zur Mückenzucht.
© Monika Ahrens | DRadio Wissen
Emma Åhlen in ihrem Mücken-Labor im schwedischen Ånäset.

Wie viel Geld sie für das Kilo Mücken kassiert, will Emma Åhlen uns nicht verraten. In jedem Fall bekommt sie: Mückenstiche!

"Sie schlüpfen früh im Jahr, sie sind es, die uns nerven, wenn wir zur Mittsommerzeit abends draußen sitzen wollen."
Emma Åhlen, aquatische Biologin