Wir helfen dem ewigen Streber, mit dem niemand spielen will, das Image etwas zu verschlechtern - damit Schweden wieder mehr mit uns auf Augenhöhe ist.

Welches Land ist eigentlich das beste der Welt? Wer tut am meisten für den Weltfrieden? Wer hat die beste CO2-Bilanz? Wer bringt – ganz altruistisch – am meisten Glück in die Menschheit? Das erhebt jedes Jahr der Good Country Index. Der wurde heute wieder veröffentlicht und auf Platz eins ist: Schweden. Zum dritten Mal in Folge. 

Wenn wir uns an die Schule erinnern, wissen wir, dass mit den Streben irgendwann niemand mehr spielen will. Darum haben wir uns gedacht: Wir helfen den Schweden, wieder dabei zu sein. Und haben uns heute mal auf seine schlechten Seiten konzentriert.

"Man kann sich diese Einsamkeit gar nicht vorstellen und man scheitert meistens an dieser Einsamkeit, wenn man nicht damit groß geworden ist."
Nilofar Elhami aus der Deutschlandfunk-Nova-Redaktion ist in Schweden aufgewachsen

Für manche ist es der ideale Urlaub: Weite, Natur und Einsamkeit. Nur Urlaub, das ist die eine Sache. Und für immer dort leben ist was völlig anderes. Unsere Kollegin Nilofar ist Schwedin und hat deutsche Freunde, die irgendwann beschlossen haben, nach Schweden auszuwandern. Für immer. Ehrlich gesagt hat der Plan nicht lange gehalten. Die Freunde sind inzwischen zurück. 

"Die haben es gerade mal ein halbes Jahr ausgehalten. Wenn das nächste Kino vier Stunden weg ist, wenn der nächste Supermarkt 65 Kilometer entfernt ist - das ist für die meisten unerträglich."
Nilofar Elhami aus der Deutschlandfunk-Nova-Redaktion ist in Schweden aufgewachsen

Carsten Schmiester ist Korrespondent und lebt in Schweden. Er findet, dass die Schweden zwar sehr freundlich sind, aber auch extrem distanziert: "Man bekommt immer ein freundliches 'Hey, hey!'. Aber sie meiden eigentlich den Kontakt." Außerdem gehen sie Konflikten aus dem Weg, sagt Carsten Schmiester.

"Man kommt einfach nicht an diese Menschen ran. Und sie sind auch sehr konfliktscheu."
Carsten Schmiester, Korrespondent in Schweden

Wenn zehn Schweden im Winter zusammen im Büro sitzen und das Fenster offen steht, frieren sich alle zu Tode. Warum? Weil alle denken: Die anderen wollen das vermutlich so. Niemand traut sich nachzufragen, aus Angst, mit den anderen aneinander zu geraten.

Kratzer am Alles-ist-perfekt-Image

Aber auch was die Politik angeht gibt es ein paar Punkte, die ein wenig am Image der humanitären Supermacht kratzen. Das, was bei uns gerade noch sehr neu ist - eine klar rechte Partei im Parlament - das gibt es bei den Schweden schon seit sieben Jahren: Die Schwedendemokraten. Und die kommen ganz klar aus der Neonaziecke. Im Moment liegt die Partei bei Umfragen bei knapp 20 Prozent. Und für die Parlamentswahlen 2018 fürchten manche Politikbeobachter den Trump-Effekt: Also, dass die Menschen in Umfragen nicht zugeben, Schwedendemokraten wählen zu wollen, es am Ende dann aber doch tun.

"Die haben die Springerstiefel vor vielen Jahren ausgezogen und gegen schwarze Lackschuhe getauscht. Dunkle Anzüge, statt Jeans. Und es fruchtet."
Carsten Schmiester, Korrespondent in Schweden

Was auch nicht so richtig cool ist:

  • Nach Russland und Israel ist Schweden der drittgrößte Waffenexporteur der Welt.
  • Schwedinnen, die ja dank der Gleichberechtigung liebevolle Mutter und Karrierefrau gleichzeitig sein können, haben allerdings auch eine deutlich erhöhte Burn-Out-Gefahr.

Vieles ist aber doch richtig super

Also, auch in Schweden ist nicht alles perfekt. Aber wir wollen auch nicht den Fehler machen und Fake News verbreiten. Im Großen und Ganzen ist wohl doch sehr viel Gutes zwischen Finnland und Norwegen zu finden - zum Beispiel Zimtschnecken! Und deswegen gratulieren wir dann doch noch am Ende zum ersten Platz auf dem Good Country Index.