Wenn Menschen zu ertrinken drohen, zählt jede Minute: Ein Rettungsroboter soll Bademeisterinnen und -meistern in Zukunft bei der Arbeit helfen. Dazu wartet der rochenartige Roboter Unterwasser jederzeit auf seinen Einsatz. Ist ein Mensch im Wasser in Not, drückt der Rettungsroboter die Person wieder an die Wasseroberfläche.

Im Sommer 2019 fehlten deutschlandweit mindestens 2500 ausgebildete Bademeister und Bademeisterinnen, schätzte der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Schwimmmeister, Peter Harzheim.

Also stellte sich die Frage: Wie kann der Schutz von Schwimmbadbesucherinnen und -besuchern in Zukunft sichergestellt werden? Für das Forschungsteam vom Wasserrettungsdienst des Roten Kreuzes und des Fraunhofer Instituts ist die Antwort klar: Ein Rettungsroboter soll Menschen vor dem Ertrinken retten.

Rettungsroboter soll Tier ähneln

Derzeit entwickeln die Forschenden einen ersten Testroboter, der einem bionischen System ähnelt. Der automatische Helfer soll also an Tiere angelehnt sein, erklärt Helge Renkewitz, Gruppenleiter für Maritime Systeme am Fraunhofer Institut.

Zeichnung des rochenartigen Rettungsroboter des Fraunhofer Instituts
© Wasserrettung Halle
So soll der Rettungsroboter aussehen, wenn er fertig ist.

Die Idee der Forschenden: In Form eines Rochens ist der Rettungsroboter vor allem flach und kann in Not geratenen Personen dadurch schnell zur Hilfe eilen. Droht eine Schwimmerin oder ein Schwimmer zu ertrinken, fährt der rochenartige Roboter unter die Person und hebt sie wieder an die Wasseroberfläche, sagt er. Ab da übernehmen dann die Bademeisterinnen und Bademeister.

Rettungsroboter ist selbstständig und jederzeit einsatzbereit

"Die Gefahrensituation erkennt der Roboter selbst, gesteuert durch externe und eigene Sensoren wie Kameras", so der Entwickler. Denn: Der automatische Helfer soll ständig im Schwimmbecken Unterwasser parken. Dort soll dann eine Ladestation installiert sein, an die er immer wieder zurückkehrt. "Das funktioniert ähnlich wie bei einem Roboterstaubsauger in einem Smart Home", fügt Helge Renkewitz hinzu. Denn bei einem Notfall zähle bekanntlich jede Sekunde.

"Der Roboter erkennt die Gefahrensituation selbst, gesteuert von externen und eigenen Sensoren wie Kameras."
Helge Renkewitz, Gruppenleiter für Maritime Systeme am Fraunhofer Institut

Erste Tests mit dem Rettungsroboter sind für November 2020 in einem Schwimmbad in Halle angesetzt. Dann wollen die Forschenden herausfinden, inwiefern ihre Pläne aufgehen. "In einem Hallenbad gibt es die besten Umweltbedingungen beziehungsweise sind sie dort am besten kontrollierbar", erklärt er. Ist die Testphase im Schwimmbad erfolgreich, soll der Wasserroboter auch in Freibädern und Badeseen zum Einsatz kommen.