Die Sea-Watch 3 liegt noch immer vor Lampedusa - mit 42 Flüchtlingen an Bord. Die italienischen Behörden verweigern dem Schiff seit gut zwei Wochen die Einfahrt in den Hafen. "Wir wissen nicht, was die nächsten Schritte sein werden", sagt die Journalistin Nadia Kailouli, die sich an Bord befindet.

Wieder liegt ein Flüchtlingsschiff im Mittelmeer. Wieder wird ihm die Einfahrt in den Hafen verweigert. An Bord: 42 Migranten und 22 Besatzungsmitglieder.

Italiens Innenminister Matteo Salvini wirft der "Sea-Watch 3" kriminelle Machenschaften vor und pöbelte per Twitter über die Kapitänin des Rettungsschiffs, Carola Rackete. Die drohte am Donnerstag (27.06.), auch ohne Erlaubnis in den Hafen von Lampedusa einzulaufen. "Ich weiß, was ich riskiere, aber die 42 Geretteten sind erschöpft", sagte sie auf Twitter. "Ich bringe sie jetzt in Sicherheit." Doch ihre Mission wurde gestoppt.

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"Die Kapitänin hat noch einmal bewusst klar gestellt, dass die Menschen in einer medizinischen und psychologischen Notlage sind."
Nadia Kailouli, Journalistin an Bord der Sea-Watch 3

Die Journalistin Nadia Kailouli befindet sich an Bord der "Sea-Watch 3". Auf Twitter und Instagram berichtet sie laufend über die Situation. Die letzten Ereignisse haben sie sehr aufgewühlt. Ja, es entstehen regelrechte Freundschaften an Bord, sagt sie, wenn man so lange auf engem Raum zusammen ist. Es belastet sie, dass die Menschen nicht endlich an Land gehen können. "Mir tut grade zum ersten Mal so richtig das Herz weh."

"Dass da unten Menschen auf dem Boden liegen, erschüttert sind, traumatisiert sind, aus elendigen Verhältnissen kommen - und wir hier oben verhandeln und debattieren."
Nadia Kailouli, Journalistin an Bord der Sea-Watch 3

Prinzipiell sei man auf dem Schiff gut versorgt, sagt Nadia Kailouli: Es gebe Ärzte an Bord, genug zu essen - wenn auch immer das selbe - und Wasser. Die Menschen bedankten sich täglich bei der Crew, weil sie auf dem Schiff in Sicherheit sind. Doch ihnen immer wieder sagen zu müssen, dass sie nicht gewollt sind und nicht an Land gehen können, sei schwer.

"Die Crew der Sea-Watch vermittelt den Leuten sehr transparent, wie gerade die Lage in Europa und in Italien ist."
Nadia Kailouli, Journalistin an Bord der Sea-Watch 3

Für die Crew und die Passagiere heißt es zunächst weiter warten. Die italienischen Behörden haben um Geduld gebeten, so die Kapitänin. Sie sei sich ihrer Verantwortung gegenüber den Menschen, dem Schiff und sich selbst sehr bewusst, berichtet Nadia Kailouli. Die Unversehrtheit der Geflüchteten habe für sie oberste Priorität.

Womöglich droht ihr eine hohe Geldstrafe, denn Matteo Salvini hat erst kürzlich ein Dekret veröffentlicht, nach dem Kapitäne, Eigner und Betreiber von Flüchtlingsschiffen mit bis zu 50.000 Euro Strafe und juristischer Verfolgung rechnen müssen, wenn sie unerlaubt in italienische Hoheitsgewässer einfahren.

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Europa verhandelt über die Aufnahme

Vielleicht zeichnet sich aber doch bald eine Lösung ab: Bundesinnenminister Horst Seehofer sagte am Donnerstag (27.06.): "Der Stand der Dinge ist jetzt bei vielen Schiffen in der Vergangenheit immer so, dass wir als Bundesrepublik Deutschland bereit sind, einen Teil von diesen Flüchtlingen aufzunehmen, wenn andere EU-Länder dies auch tun."

Brüssel arbeite mit den EU-Mitgliedstaaten an einer Verteilung der Migranten, sagte EU-Flüchtlingskommissar Dimitris Avramopoulos. Er betonte jedoch, "eine Lösung für die Menschen an Bord ist erst möglich, wenn sie an Land gegangen sind".