Maike Teller ist Notfallseelsorgerin. Seit fünf Jahren hilft sie Angehörigen nach einem Todesfall mit Worten und allein durch ihre Anwesenheit. Ihr selbst helfen Routine und Rituale. Wir haben mit ihr gesprochen.

Eine Notfallseelsorgerin ist für alle plötzlichen und unerwarteten Todesfälle zuständig. Maike Teller macht das seit fünf Jahren. Eigentlich ist sie Pastoralreferentin und arbeitet für die katholische Kirche. Ein Kollege von ihr leitet die Notfallseelsorge und hat sie angesprochen, ob sie nicht dort arbeiten möchte. Also hat sie dann vor etwa sechs Jahren die passende Ausbildung gemacht.

Ihre Aufgabe ist es, vor allem die Abläufe nach einem Todesfall zu kennen: Wer benachrichtigt die Angehörigen? Was machen die Einsatzkräfte vor Ort? Was ist die Aufgabe der Notfallseelsorge? Wir haben mit Maike Teller über diese Fragen und allgemeiner über ihre Arbeit gesprochen.

Seelsorge als Erleichterung

Nach einem Todesfall wird sie von den Einsatzkräften dazu gerufen, um sich um die Angehörigen zu kümmern, wenn diese das wollen. Wenn sie vor Ort eintrifft, reagieren die Menschen meistens offen und froh, berichtet sie. Viele Familien, sagt Maike Teller, sind allerdings so intakt, dass sie sich selbst helfen können.

"Wir werden größtenteils gerufen, wenn wirklich Personen alleine sind. Wenn dann die Einsatzkräfte vor Ort sehen, dass die Hinterbliebenen mit der Situation überfordert sind."
Maike Teller, Notfallseelsorgerin im Rhein-Erft-Kreis

Die Todesnachricht darf sie als Seelsorgerin nicht verkünden, das übernimmt immer die Polizei. Bei den Verstorbenen kann es sich um Menschen jeden Alters handeln: ältere Menschen, aber auch um jüngere und Kinder.

Der Dienst der Notfallseelsorgerin – in Form einer Rufbereitschaft – dauert 24 Stunden. Sie hat in der Regel ein bis zwei Dienste im Monat. Mehr wäre ihr persönlich zu viel, die Einsätze sind anstrengend.

Maike Teller selber sagt, dass es ihre Aufgabe ist, Gesellschaft zu leisten. Es geht darum, wenn Personen alleine sind, ein Netzwerk aufzubauen, die Einsamkeit zu beenden.

Alter als Nebensache

Auch wenn die Seelsorge ökumenisch organisiert ist, ist sie für jede und jeden zuständig. Bei muslimischen Betroffenen hat Maike Teller einen Kollegen, den sie zu einem Einsatz mitnehmen kann. Ein Einsatz dauert für Maike Teller durchschnittlich etwa zwei Stunden. Danach hat sie eigentlich keinen Kontakt mehr zu den Angehörigen.

Im Rhein-Erft-Kreis gibt es etwa 90 Fälle im Jahr. Maike Teller selber hatte schon mal eine Nacht mit drei Einsätzen. Aber sie hatte auch schon drei Schichten hintereinander ohne Einsatz. Sie fragt sich angesichts ihres Alters von 33 Jahren oft, was die Menschen denken, wenn sie ankommt. Auch der größere Teil ihrer Kollegen ist älter. Meistens würden die Angehörigen schnell merken, dass sie kompetent ist. Besonders herausfordernd war ihr bisher schwerster Einsatz, der plötzliche Tod eines Säuglings, zu dem sie gerufen wurde.

"Einmal war es ganz gravierend. Das war ein plötzlicher Säuglingstod. Das war der bisher schlimmste Einsatz für mich."
Maike Teller, Notfallseelsorgerin im Rhein-Erft-Kreis

Dieser Fall ist einer der wenigen, der sie noch länger beschäftigt hat. Sie kann mit ihren Koordinatoren sprechen, mit der eigenen Familie und auch Supervision in Anspruch nehmen. Eigentlich gelingt es ihr in rund 90 Prozent der Fälle und auch ohne diese Hilfe, nach einem Einsatz abzuschalten. Routine kann auch helfen, das Verfassen eines Protokolls gehört dazu. Außerdem verlässt sie sich auf kleine persönliche Rituale.

Allgemein rät Maike Teller im Umgang mit Todesfällen dazu, sich auf das eigene Bauchgefühl zu verlassen. Von allgemeinen Ver- und Geboten hält sie in diesem Zusammenhang nicht viel. Sie wünscht sich, dass im Notfall auch jemand für sie und ihre Angehörigen da ist – ein Motiv für die beanspruchende Arbeit als Notfallseelsorgerin.

"Ich hoffe, dass durch diesen Dienst oder diese Einrichtung auch mal jemand für meine Familie da wäre."
Maike Teller, Notfallseelsorgerin im Rhein-Erft-Kreis