Wer vor einer Tasse Kaffee und einer Tasse Tee sitzt, der muss sich entscheiden: Was möchte ich? Für manchen wird das zur qualvollen Last.

Bei Patienten, beispielsweise mit starken Depressionen, kann die Auswahl eines Getränks, eine alltägliche Situation also, zu einer regelrechten Blockade führen. Minuten- oder gar stundenlang greift die Person zu keiner der beiden Tassen, weil sie unendlich lang die Vor- und Nachteile der Getränke gegeneinander abwägt - bis Kaffee und Tee kalt sind.

"Der Prozess der Willensbildung und Entscheidung setzt verschiedene höhere kognitive Funktionen voraus: eine Situationsübersicht, Urteils- und Kritikvermögen, also Fähigkeiten, die alle zu einer grundsätzlichen Rationalität und damit Nachvollziehbarkeit der Entscheidungsbildung beitragen."

Solche Prozesse um die Bildung des eigenen Willens erforscht der Mediziner und Philosoph Thomas Fuchs vom Universitätsklinikum Heidelberg. Unter dem Titel "Wollen können - Wille, Selbstbestimmung und psychische Krankheit" sprach er dazu auf einer Fachtagung am 2. April 2014 in Schloss Herrenhausen bei Hannover.

Veranstalter waren die Forschungsstätte der Evangelischen Studiengemeinschaft Heidelberg sowie das Institut für Medizingeschichte und Wissensforschung Lübeck. Die Tagung stand unter dem Motto: "Randzonen des Willens - Entscheidung und Einwilligung in Grenzsituationen der Medizin: Anthropologie, Psychologie, Recht und Ethik." Den Vortrag von Thomas Fuchs hat für DRadio Wissen die Volkswagenstiftung aufgezeichnet, die die Tagung gefördert hat.