Ein Drittel der geflüchteten Menschen in Deutschland sind Frauen. Wie ihnen geholfen wird, mit dem Erlebten klarzukommen, ist bei uns so gut wie kein Thema. Eine Umfrage der Charité soll helfen, das zu ändern.

Für die Umfrage haben Forscher der Berliner Charité mit geflüchteten Frauen aus Syrien, Afghanistan oder Somalia über ihre Flucht gesprochen. Dabei stellten sie ihnen Fragen zu ihrer Ankunft in Deutschland und ihrem Alltag, zu ihren Ängsten und Wünschen für die Zukunft.

Psychotherapie und Suizidprävention sind dringend nötig

Das Umfrageergebnis ist erschreckend. Neben Angst, Nervosität und Schlafproblemen, hat mehr als jede zehnte der befragten Frauen Selbstmordgedanken. Psychologische Hilfe bekommen nur sehr wenige. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoğuz, hat die Studie in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse sollen helfen, die Frauen besser zu unterstützten und zu betreuen.

"Wir wissen aus der Therapie und der Sozialberatung von Geflüchteten, dass sehr viele Klienten Zeiten haben, in denen sie suizidal sind."

An der Befragung der Charité nahmen 650 Frauen Teil - deutschlandweit. Die Hälfte von ihnen berichtet, unterwegs fast das Leben verloren zu haben. 81 Prozent haben Kinder. Viele von ihnen sind auf der Flucht geboren. 

Diskriminierung findet auch in den Unterkünften statt

Krieg, Gewalt und schlichtweg Lebensgefahr sind die häufigsten Gründe für ihre Flucht, sagen die Frauen. Neben den Kriegsszenarien, ist es die Angst vor Folter, vor Zwangsverheiratung oder Genitalverstümmelung, weshalb sie eine Reise auf sich nehmen, die traumatische Spuren hinterlässt. Doch auch in den Unterkünften fühlen sich viele Befragte durch Mitbewohner und Sozialarbeiter diskriminiert.

"Es kann sich keiner leisten, Dolmetscherkosten vorzustrecken - oder hat die Zeit, das Geld über Spenden einzutreiben. Das hält viele freie Therapeuten davon ab, Geflüchtete überhaupt zu behandeln."
DRadio-Wissen-Reporter Sebastian Rams

Die Ergebnisse der Umfrage veröffentlicht das Berliner Institut für empirische Integrations-und Migrationsforschung am 23.3.2017.

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