Wann ist jemand kurz davor, Selbstmord zu begehen? Es wäre gut, das zu wissen, um Menschen rechtzeitig helfen zu können. In den USA ist jetzt eine Software für Schulen entwickelt worden, die Anzeichen für einen möglichen Suizid bei Schülern erkennen soll.

Suchen Schüler in den USA im Netz nach Begriffen oder Sätzen wie "Hilfe bei Suizidgedanken", oder "wie bindet man eine Schlinge", dann könnten Lehrer oder Schulpsychologen an US-amerikanischen Schulen in Zukunft darüber informiert werden. Möglich machen soll das eine neue Software, die entsprechende Schlüsselbegriffe analysiert und auf Schulcomputern installiert werden kann, so unser Reporter Konstantin Köhler.

"Die entsprechenden Personen können im Adminbereich der Software die Identität des Schülers feststellen und dann aktiv werden."
Konstantin Köhler, Deutschlandfunk Nova

Eigentlich sei das eine gute Sache, findet Konstantin: "Wenn da alle entsprechenden Datenschutzvorgaben eingehalten werden, kann ich da nichts Schlechtes dran finden." Die Frage sei am Ende natürlich aber auch, wie oft die Software möglicherweise Fehlalarm schlägt und Schüler dann komische Fragen der Lehrer zur psychischen Verfassung beantworten müssen, so unser Reporter.

Google könnte mehr machen

Seit letztem Jahr hat auch Facebook eine Suizid-Erkennung in seine Plattform integriert, die - außer in Europa - weltweit zum Einsatz kommt. "Wenn Facebook ein Verhalten eines US-Amerikaners in Sachen Suizid merkwürdig findet, dann melden Moderatoren diese Person sogenannten Ersthelfern, also zum Beispiel Notfallseelsorgern oder der Polizei. Und die können dann aktiv werden", sagt Konstantin. Neben Facebook identifiziert auch Google Suchbegriffe aus, die auf einen möglichen Suizid hindeuten.

"Das macht Google auch. Bei entsprechenden Suchanfragen werden Hilfsangebote eingeblendet, zum Beispiel eine Telefonnummer der Notfallseelsorge."
Konstantin Köhler, Deutschlandfunk Nova

Zwei Forscher der Ludwig-Maximilians-Universität in München haben das Unternehmen vor einiger Zeit analysiert und sind zu dem Schluss gekommen, dass Google hier noch viel mehr machen könnte, sagt Konstantin - zum Beispiel stärker den Kontext berücksichtigen, etwa an welchen Tagen Suizide vermehrt begangen werden. So wird an Neujahr häufiger als an anderen Tagen das Wort Vergiftung in die Suchmaschine eingegeben. Google könnte hier entsprechende Hinweise einblenden.

"Die Auswertung der Forscher hat ergeben, dass genau an solchen Tagen wie Neujahr eben auch Suchbegriffe wie "Vergiftung" besonders oft benutzt wurden. Wenn man so was wüsste, könnte Google noch häufiger präventiv tätig werden."
Konstantin Köhler, Deutschlandfunk Nova

Hilfe im Notfall 

Wenn du selbst von Suizidgedanken betroffen bist, versuche, mit anderen Menschen darüber zu sprechen. Das können Freunde oder Verwandte sein, müssen es aber nicht. Es gibt eine Vielzahl von Hilfsangeboten, bei denen du - auch anonym - mit anderen Menschen sprechen kannst. Eine Übersicht der Angebote findest du zum Beispiel bei der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.

Sofortige Hilfe erhältst du rund um die Uhr bei der Telefonseelsorge unter der kostenlosen Rufnummern 0800 - 111 0 111 und 0800 - 111 0 222. Und im Internet unter www.telefonseelsorge.de.