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Fitness-Apps und Smoothies machen uns zu besseren Menschen, lassen uns unser volles Potential ausschöpfen und sorgen für ein ausgeglichenes Selbst? Ole Siebrecht sagt: Nein.

Frühaufstehen, um leistungstärker zu sein. Dann ein Ründchen um den Block sprinten. Anschließend den giftgrünen Obstdrink direkt hinterher kippen. Ole ist einer, der da so gar kein Bock drauf hat.

Und trotzdem begegnet ihm das Thema Selbstoptimierung überall. Beispielsweise auf Instagram, wo ihm eine Zeit lang ständig gesunde Smoothies und Screenshots von Fitnessergebnissen in den Feed gespült wurde. In Ole hat das Druck und ein unzufriedenes Gefühl ausgelöst.

"Ich war eine Zeit lang sehr genervt, als ich noch nicht aktiv angefangen hab, diese Sachen auszublenden."
Ole Siebrecht, freier Autor, der Selbstoptimierung hasst

"Eure Selbstoptimierung kotzt mich an"

Deshalb hat Ole 2018 einen Rant über die Selbstoptimierung geschrieben. Darin schreibt er mitunter: "Statt sechs bis acht Stunden, schlafe ich am liebsten zehn bis zwölf."

Auf seinen Text hat Ole zahlreiche positive Rückmeldungen bekommen. Ihm haben zum Beispiel Leser geschrieben, die Smoothies trinken, obwohl sie ihnen eigentlich so gar nicht schmecken. "Ich bin da anscheinend nicht alleine. Es gibt genug andere Leute, die das ähnlich sehen wie ich."

Den Drang in aller Frühe aus dem Bett direkt in die Laufklamotten zu springen, hat Ole selbst noch nicht verspürt. Ganz ohne Optimierungstools ist er in der Vergangenheit dann aber doch nicht ausgekommen.

"Ich muss gestehen, ich hab mal Yoga und Meditationsapps ausprobiert, weil andere Leute mir gesagt haben, dass man da total entspannt und ruhig wird."
Ole Siebrecht, freier Autor, der Selbstoptimierung hasst

So weit, so gut – ein kurzes Mittagsschläfchen ist ja per se nichts Schlechtes. Das sieht auch Ole so. Als die App ihm dann aber vorgeben wollte, um welche Uhrzeiten er zu Meditieren hat, ging ihm das zu weit. Für ihn wurde an dieser Stelle die Grenze der Selbstbestimmung überschritten. "Das einzusehen hat dann auch eine Weile gedauert, aber die Apps sind mittlerweile wieder gelöscht", sagt er rückblickend zufrieden.

Eigentlich ist doch alles in Ordnung

Aber warum streben wir nun eigentlich so sehr nach dem besseren Ich? "Weil wir uns da einen gewissen Selbstwert herausziehen", vermutet Ole. Klickzahlen, Likes und andere Vergleichswerte spornen uns im Netz zum Schneller-Weiter-Höher-Contest mit unserem Umfeld an.

Davon kann sich fast niemand frei machen. Auch Ole nicht. "Nur, weil ich schreibe, dass mich die Selbstoptimierung ankotzt, heißt das nicht, dass sie mich nicht betrifft."

Das Hauptproblem: Fangen wir mit der Selbstoptimierung an, wollen wir meistens immer mehr. Laut Ole gilt es, die eigenen Verhaltensmuster zu hinterfragen: "Warum will ich denn diese Yoga-Session machen? Warum esse ich gerade einen Salat und nicht das, worauf ich wirklich Bock habe?"

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