Laut Medienberichten ist nach den Übergriffen in der Silvesternacht die Nachfrage nach Selbstverteidigungsmitteln wie Pfefferspray angestiegen. Wir klären, wann ihr damit sprühen dürft - und was es bringt.

Wie verschiedene Medien berichten, wird in Deutschland gerade vielerorts viel Pfefferspray gekauft - besonders seit den Übergriffen auf Frauen in der Silvesternacht in Köln und anderen deutschen Städten. Solche Sprays fallen nicht unter das Waffengesetz, erklärt DRadio-Wissen-Reporter Martin Schütz. Aber: In der Regel dürft ihr Pfefferspray nur gegen Tiere einsetzen - ein entsprechender Hinweis sollte auch auf der Dose stehen, die ihr kauft. Gegen Menschen dürft ihr Pfefferspray nur einsetzen, wenn ihr angegriffen werdet.

"Wenn eine Notwehrlage vorhanden ist, darf ich mich verteidigen - muss allerdings die Gefahrenlage richtig einschätzen und darf nicht über das Ziel hinausschießen."
Christoph Kuhlmann, Strafverteidiger

In einer Notsituation ist es erlaubt, "das Mittel der Verteidigung zu wählen, das den Angriff sofort und endgültig beendet", erklärt der Strafverteidiger Christoph Kuhlmann. "Wenn dieses Mittel der Verteidigung das Pfefferspray ist, das ich dabei habe, dann darf ich das auch verwenden." Christoph Kuhlmann sagt jedoch auch: Auch wer angegriffen wird, muss verhältnismäßig reagieren, damit einem Angreifer nicht zu viel Schaden entsteht. "Liegt der Angreifer zum Beispiel schon am Boden, dürft ihr nicht weiter Pfefferspray gegen ihn einsetzen", erklärt DRadio-Wissen-Reporter Martin Schütz.

Nicht ohne Risiken

Pfefferspray ist also nicht ganz unproblematisch, da der Angegriffene in einer Notsituation schnell und richtig entscheiden muss, ob der Einsatz gerechtfertigt ist - und wenn ja, in welchem Maß. André Schulz vom Bund deutscher Kriminalbeamter hält generell nicht besonders viel von Pfefferspray als Mittel zur Selbstverteidigung, weil solche Sprays zu durchaus starken Reizungen der Augen führen können - auch bei der Person, die sie einsetzt - und weil viele Käufer nicht damit umgehen könnten.

"Eigentlich müsste man den Umgang mit Pfefferspray üben."
André Schulz, Bund deutscher Kriminalbeamter

In der Regel - so die Erfahrung von André Schulz - kauften die Leute Pfefferspray, fühlten sich allein dadurch schon sicher und legten es in die Tasche oder die Jacke. Die wenigsten wüssten jedoch, wie man die Spraydose richtig entsichert, welchen Abstand man zum Angreifer haben muss und wo die Pfefferlösung eigentlich rauskommt.

Alternativen zum Pfefferspray

Anders als Pfefferspray fällt Reizgas, sogenanntes CS-Gas, in Deutschland in der Regel unter das Waffengesetz, erklärt DRadio-Wissen-Reporter Martin Schütz. Und der Bund deutscher Kriminalbeamten sagt: Selbst wenn ihr CS-Gas im Ausland gekauft habt, dürft ihr solche Sprays in der Öffentlichkeit nicht mit euch tragen. Schreckschusswaffen darf in der Öffentlichkeit nur mit sich führen, wer den kleinen Waffenschein hat. Die Zahl der Anträge auf den kleinen Waffenschein ist übrigens ebenfalls gestiegen - allerdings war die Nachfrage auch schon vor den Silvesterübergriffen groß.