Mit Fitness-Armbändern, Wearables und anderen Geräten können wir uns selbst tracken und optimieren. Doch wie hilfreich ist Self-Tracking wirklich? Ein Vortrag von Sportsoziologe Robert Gugutzer.

Gadgets, die das Sportverhalten in Form von Zahlen, Symbolen und Kurven festhalten, sollen ihren Nutzerinnen und Nutzern eine Hilfe zur Selbstoptimierung sein. Viele der Nutzer stellen diese Daten nicht selten über den Rat von Medizinerinnen und Ärzten, erklärt Sportsoziologe Robert Gugutzer. "Was die App sagt, ist Gesetz", zitiert er eine von ihm untersuchte Self-Trackerin.

Hinzu kommt, dass Nutzer gerade dann, wenn sie sich erst kürzlich für das Self-Tracking entschieden haben, suchtartige Verhaltensweisen entwickeln können: Sie gehen zum Beispiel gegen Mitternacht noch einmal raus, um die an diesem Tag erforderliche Schrittzahl zu erreichen.

Smartwatch als Partner

Sich mit körpernahen Geräten selbst messen, die kaum auf die individuellen Voraussetzungen eingehen können, vergleicht der Sportsoziologe mit einer Paarbeziehung. In einem von ihm untersuchten Fallbeispiel berichtet er von einer 27-jährigen Frau, die ihrem Gerät einen männlichen Spitznamen gegeben hat.

"Wenn ich mich dreißig Minuten nicht bewege, dann brummt er mich an."
Nicki, Physiotherapeutin (Name geändert)

Die große Ernüchterung, so Robert Gugutzer, kommt oft nach einem halben oder einem Jahr. Dann fliege das Gadget bei den meisten in die Ecke. Der Sportsoziologe vergleicht das mit anfänglicher Leidenschaft und Hingabe – ähnlich der Zeit des ersten Verliebtseins – und der späteren Ernüchterung.

"Der Grad der leidenschaftlichen Beziehung kann ein Ausmaß annehmen, das einer suchtähnlichen Abhängigkeit gleicht."
Robert Gugutzer, Sportsoziologe

Den Schwerpunkt seines Vortrages legt Robert Gugutzer auf die Technik der Geräte und die Frage, was dieses Phänomen über den Zeitgeist aussagt. Nach längerem Zuhören zeichnet sich zudem ein weiterer Punkt im Beitrag des Sportsoziologens ab: Die Geräte scheinen nicht die ganze Wahrheit abzubilden.

Robert Gugutzer hat an der Goethe-Universität in Frankfurt eine Professur für "Sozialwissenschaften des Sports" inne. Sein Thema hat er am 20. Februar 2019 im Technoseum Mannheim unter der Überschrift vorgetragen: "Selftracking - Manifestation des Zeitgeists". Dort aufgetreten ist er innerhalb der Sonderausstellung "Fertig? Los! Die Geschichte von Sport und Technik".