Mit rund 350 Gramm ist der Sewelo-Diamant der zweitgrößte der Welt. So kann sich den Riesendiamanten niemand um den Hals hängen, weswegen er in kleinere Stücke zerteilt wird. Das ist aber gar nicht so einfach.

In Paris ist der zweitgrößte Rohdiamant der Welt vorgestellt worden – er wiegt rund 350 Gramm. Der französische Mode- und Luxuskonzern Louis Vuitton hat den Stein mit 1758 Karat vor ausgewähltem Publikum präsentiert. Louis Vuitton hat den Diamanten erworben - Kaufpreis geheim. Der Konzern, ein Unternehmen in Antwerpen und die kanadische Lucara Diamond Corp sollen den Diamanten in kleinere Steine zerteilen.

Der Rohdiamant stammt aus einer Mine dieses kanadischen Unternehmens im südafrikanischen Botswana und wurde wegen seiner Größe und auch zur besseren Vermarktbarkeit Sewelô genannt. In der Landessprache heißt das so viel wie "seltener Fund".

Analyse entscheidet

Gerd Märker ist Diamantengutachter, -händler und –schleifer. Ein solcher Fund werde als erstes umfangreich analysiert, um seine Verwendbarkeit einschätzen zu können, sagt er. Die Analyse entscheidet dann, ob er sich für Schmuck verarbeiten lässt oder sich eher für die technische Anwendungen eignet.

"Der Wert des Diamanten, Handels- und Verkaufswert, basiert auf den Erkenntnissen, die man durch die Analyse gewinnt."
Gerd Märker, Diamantengutachter, -händler und –schleifer

Bei dem Sewelo-Diamant scheint die Analyse schon in vollem Gange zu sein, schließt Gerd Märker, denn es ist schon offiziell, dass er sich für die Verwendung in der Schmuckindustrie eignet. Außerdem habe er bereits einmal den Besitzer gewechselt.

Mehr als 50 Millionen Dollar wert

Die Analyse kann bei einem so großen Rohdiamanten bis zu einem Jahr dauern – wie etwa bei dem Lesedi La Rona, der 2015 ebenfalls in Botswana gefunden worden ist. Er wurde für 53 Millionen Dollar an den Juwelier Graff in London verkauft. Gerd Märker sagt, dass der Sewelo ein Drittel schwerer ist als der Lesedi La Rona.

"Der letzte wog 1109 Karat, dieser Stein wiegt jetzt 1758 Karat. Das heißt, ein Wert von 53 Millionen könnte im Raum stehen."
Gerd Märker, Diamantengutachter, -händler und –schleifer

Die Verarbeitung so großer Diamanten sei dann grundsätzlich ein Kompromiss aus größtmöglicher Reinheit und der bestmöglichen Form. Dabei spiele auch Wertschöpfung eine Rolle, sagt Gerd Märker.

Der Preis entwickele sich bei Diamanten nicht linear, er vervielfache sich mit zunehmender Größe. Für den Besitzer berge die Größe aber das Risiko, dass der Stein reißt. Entlang von Sollbruchstellen kann der Stein während der Bearbeitung in viele kleinere Steine zerreißen.

"Wenn dieser Diamant beim Zerteilen, Sägen oder Schleifen einer gewissen mechanische Beanspruchung oder Hitze unterliegt, kann er reißen. Das ist das Schlimmste, was passieren könnte."
Gerd Märker, Diamantengutachter

Ein größerer Rohdiamant der Qualitätsstufe des Sewelo ist bisher nur einmal gefunden worden: In Südafrika 1905. Der Diamant Cullinan hatte 3100 Karat. Er wurde in neun Teile zerlegt, zwei von ihnen sind seitdem Bestandteil der britischen Kronjuwelen.