Der Beweis ist erbracht: Neandertaler und Homo Sapiens waren nicht nur Konkurrenten bei der Jagd auf Mammut und Riesenhirsch. Einige von ihnen konnten auch lieb zueinander sein.

Es war eine Zeitenwende. Vor einigen Zehntausenden Jahren jagten in Europa die Neandertaler - und aus Afrika rückte langsam der Homo Sapiens nach. Und es gab eine Zeit, in der sich die beiden Verwandten Europa teilten. 5000 Jahre ging das so - und dann war der Neandertaler ausgestorben. Wenn Neandertaler und Homo Sapiens aufeinandertrafen, konnte es schon mal ein bisschen aufregend werden - zum Beispiel in den Karparten in Rumänien. Hier hatten Neandertaler und moderne Menschen Sex - so viel steht jetzt fest.

Ururenkel eines Neandertalers?

Wie Forscher dem urzeitlichen Treiben auf die Schliche gekommen sind? Sie haben Teile eines Kieferknochen gefunden, erklärt Peter Neuhaus aus unseren Wissensnachrichten. Und der stammt von einem rund 40.000 Jahre alten Homo Sapiens. Das Fossil hatten Höhlenkletterer 2002 in Rumänien entdeckt. Jetzt haben es Forscher des Max-Planck-Instituts analysiert.

Das Ergebnis: Bis zu 9 Prozent des Genoms stammen vom Neandertaler. Der höchste Prozentsatz, der je bei einem Homo Sapiens nachgewiesen wurde. Für die Wissenschaftler steht deshalb fest: Unter den Vorfahren des gefundenen Menschen muss ein Neandertaler gewesen sein - und das kann nur vier bis sechs Generationen zurückgelegen haben. Gut möglich also, dass die Karpartenleiche ein Ururenkel eines Neandertalers war.

Der Kiefer aus der Karpartenhöhle
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Corpus Delicti - der Kiefer aus der Karpartenhöhle

Schon seit einiger Zeit steht fest, dass Neandertaler und moderne Menschen Sex hatten. Jetzt ist aber bewiesen, dass die beiden Arten auch in Europa Spaß miteinander hatten. Der Fund in der Karpartenhöhle war also ein echter Glücksfall. Oder wie es einer der Wissenschaftler ausdrückte: "Wir haben sie fast inflagranti erwischt." Weitere Details zur Steinzeitnummer sind allerdings nicht bekannt. Es bleibt also eurer Fantasie überlassen, ob Neandertaler und Homo Sapiens sich über einen längeren Zeitraum Fell und Höhle teilten oder ob die Sache in den Karparten nur ein One-Night-Stand war.

Affäre ohne größere Folgen

In jedem Fall gehen die Forscher davon aus, dass die Karpartenaffäre ohne größere Folgen für die Menschheit blieb. Der Fund aus der Höhle ähnelt dem heutigen Menschen nämlich fast gar nicht. Wahrscheinlich wurde er später von anderen Gruppen des Homo Sapiens verdrängt. Grundsätzlich hat der Neandertaler aber durchaus Spuren hinterlassen. Bei allen Menschen, deren Wurzeln nicht in Afrika liegen. 1 bis 3 Prozent Neandertaler-DNA tragen alle Europäer mit sich herum. Besonders viel ist das nicht. Für Wissenschaftler ein klareres Zeichen, dass es nicht gerade oft zum Sex zwischen den beiden Arten gekommen ist.