1514 schenkt König Emanuel I. von Portugal Papst Leo X. einen weißen Elefanten aus Indien. Hanno heißt der Elefant. Althistoriker Martin Zimmermann nimmt Hanno als Ausgangspunkt, um die Aufteilung der Welt zwischen den Kolonialmächten Spanien und Portugal zu schildern.

Ein Elefant in Europa, zu Beginn des 16. Jahrhunderts – das Aufsehen war enorm. Die Anreise des Tieres wurde zum Spektakel, Menschenmassen versammelten sich, um dieses Wundertier zu sehen. Papst Leo X. soll glücklich gewesen sein über dieses Geschenk.

Der indische Elefant Hanno, der dem Papst Leo X. 1513 vom portugiesischen König Emanuel geschickt wurde; Zeichnung von Raphael
© imago / United Archives
Hanno, eine Zeichnung von Raphael
"Wir haben eine ganze Reihe von Zeugnissen, dass der Papst regelrecht verliebt war in dieses Tier."
Martin Zimmermann, Althistoriker LMU München

Ähnlich erstaunlich wie dieser Dickhäuter war für die Europäer vermutlich damals auch, was ihre Epoche an neuen Erkenntnissen über die Beschaffenheit der Erde hervorbrachte.

Die neue Welt

1492 segelt Christoph Kolumbus über den Atlantik und landet in Amerika. Vasco da Gama reist 1498 über den Seeweg nach Indien, um das Kap der Guten Hoffnung herum. Ferdinand Magellan soll eine neue Route zu den Gewürzinseln finden und umsegelt als erste bekannte Person den Globus. All das, sagt Martin Zimmermann, war damals so spektakulär, als würden wir heute im All einen bewohnten Planeten entdecken.

Und mit diesen geographischen Erkenntnissen ging die Kolonialisierung der "neuen Welt" einher. 1494 teilen Portugal und Kastilien diese Welt im Vertrag von Tordesillas per Linienführung durch den Atlantik auf, vom Nord- bis zum Südpol und mit Unterstützung des Papstes.

"Ein spanischer Diplomat hat gesagt: 'Wir haben die Welt wie eine Orange in zwei Teile geschnitten'. Der eine Teil gehörte Spanien und der andere Portugal".
Martin Zimmermann, Althistoriker LMU München

Nicht nur die beiden Königshäuser, auch die Kurie war interessiert an den in Europa bislang nicht bekannten Ländern – zum einen, um dort zu missionieren, zum anderen, um an der Ausbeutung beteiligt zu sein. Die Eroberung Mittelamerikas war brutal. Die Eroberer begingen grausame Gewalttaten an den Einheimischen. Und sie brachten ihnen Krankheiten. Martin Zimmermann nennt Schätzungen, wonach innerhalb des 16. Jahrhunderts etwa 100 Millionen Menschen gestorben sein sollen.

"Ich habe das mal überschlagen. Wenn man jedes dieser Dokumente nur kurz in die Hand nähme, um das anzuschauen, bräuchte man 520 Jahre."
Martin Zimmermann, Althistoriker LMU München

1785 dann wollte der spanische König der – so wie er es nannte – "schwarzen Legende" dieser grausamen Kolonialgeschichte entgegen wirken, indem er sämtliche Unterlagen, Karten und Dokumente an einem zentralen Ort versammelte, im prachtvollen "Archivo General de Indias" in Sevilla. Neun Kilometer Akten oder vielmehr etwa 90 Millionen Dokumente wurden in diesem Wissensspeicher versammelt.

Martin Zimmermann ist Inhaber des Lehrstuhls für Alte Geschichte am Historischen Seminar der Ludwig-Maximilians-Universität München. Seinen Vortrag "Ein Elefant für den Papst. Die Entdeckung der neuen Welt und die Kurie in Rom" hat er am 1. Oktober 2021 im Rahmen des Wissenschaftsprogramms vhs.wissen live gehalten.