Auf der Kurfürstenstraße in Berlin-Schöneberg gibt es seit Jahrzehnten einen Straßenstrich. Doch seit die Drogen härter wurden und damit auch die Gewalt zunahm, wollen Anwohnende "Olga", den Schutzraum für Sexarbeitende, nicht mehr im Kiez haben.
Anders als in anderen Großstädten gibt es in der Kurfürstenstraße mitten in Berlin-Schöneberg seit Jahrzehnten einen Straßenstrich.
Und es gibt den Schutzraum "Olga". Das ist eine soziale Einrichtung für Sexarbeitende, drogenkonsumierende Frauen und Trans*Menschen in Notlagen.
Andernorts gibt es Sperrbezirke und Sexarbeitende müssen meist ohne Schutzkonzepte in Randbezirken oder Industriegegenden auf Kunden warten.
Mietvertrag wird nicht verlängert
Bei "Olga" können die Sexarbeitenden duschen, essen und schlafen. Sie werden medizinisch versorgt und bekommen Beratung.
Doch im Juli 2027 läuft der Mietvertrag aus. Das Wohnungsunternehmen Strohauer will den Vertrag für den Schutzraum nicht verlängern. Begründung: Die Situation in der Kurfürstenstraße sei nicht mehr haltbar.
"Olga ist mein zweites Zuhause. Ohne Olga wäre es viel schwieriger, weil wir kriegen ja hier Kondome, Essen, Klamotten."
Bea arbeitet seit zehn Jahren als Sozialarbeiterin bei "Olga". Ihr macht die Entwicklung der letzten Jahre Sorge. Die Situation hat sich durch Wohnungslosigkeit und Drogenkonsum verschärft. Manche Sexarbeitende sind wohnungslos, manche drogenabhängig und manche beides.
"Viele konsumieren Crystal und das geht auf die Psyche. Das ist sehr traurig zu beobachten, wie vielen Menschen es hier so schlecht geht. Das hatten wir nicht, als ich angefangen habe."
Seit die Drogen härter wurden, hat auch die Suchtproblematik im Schutzraum "Olga" zugenommen. Anwohnerinnen und Anwohner finden an Spielplätzen gebrauchte Spritzen und sehen sich auf der Straße mit offener Gewalt oder Drogenhandel konfrontiert.
Drogenkriminalität vor der Haustür
Anna von Trott vertritt das Wohnungsbauunternehmen Strohauer. Ihr Büro liegt direkt neben dem Schutzraum "Olga". Sie erklärt, dass das Unternehmen den Mietvertrag nicht verlängert, um die Situation im Kiez stabil zu halten.
"Ich bin echt ein bisschen verzweifelt, weil ich Mitarbeiterinnen habe, die ich ins Homeoffice geschickt habe, weil sie nicht mehr herkommen wollen."
Seit Jahren wende sie sich an die verantwortlichen Bezirke Schöneberg und Mitte – doch es habe sich nichts bewegt. Die Schöneberger CDU fordere jetzt ein Verbot des Straßenstrichs.
Doch ein Sperrbezirk oder die Schließung von "Olga" würden das Problem nicht lösen, sondern eher noch verschlechtern, sagt Soziologin Christiane Howe. Sie hat zu dem Thema geforscht, insbesondere in den Städten Berlin, Hamburg und Frankfurt. Denn die Frauen seien dann nicht weg, sondern nur noch mehr sich selbst überlassen.
Konzepte für geschützte Räume entwickeln
Die Soziologin rät, dass die Verantwortlichen in Berlin sich ein Konzept überlegen sollten, wo und unter welchen Bedingungen sie den Straßenstrich zulassen wollen.
Ein gutes Beispiel sei die Stadt Zürich, dort gibt es einen Park mit "Sex-Boxen", in denen es für die Sexarbeitenden einen Notknopf und Hilfsangebote gibt. Kunden können nur durch eine Bezahlschranke in den Park gelangen und werden über das Gelände gelenkt.
