In männerdominierten Ingenieurberufen ist Sexismus ein Problem. DRadio-Wissen-Reporterin Magdalena Bienert hat mit zwei jungen Frauen darüber gesprochen.

Kristin, 27 Jahre, studiert Innenarchitektur. Zuvor hat sie als technische Zeichnerin gearbeitet. Hanne, 32, ist Landschaftsarchitektin. Immer wieder erleben beide Frauen völlig unangebrachte Situationen oder müssen sich sexistische Bemerkungen von Chefs und Kollegen anhören.

Witze unter der Gürtellinie

In den USA verfolgen Forscherinnen schon seit 2003 das Berufsleben von Ingenieurinnen, weil immer weniger von ihnen in ihrem Beruf arbeiten. Fast 4000 Tagebucheinträge haben sie für eine Studie analysiert.

"Nicht Schwangerschaften, Vereinbarkeit mit der Familie, Arbeitsbelastung oder etwa Arbeitsinhalt sind die Gründe, dass Ingenieurinnen ihrem Beruf den Rücken kehren - sondern Sexismus."

Auch in Deutschland ist die Tendenz von Absolventinnen in den Mint-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) rückläufig. 2015 waren nur 22,6 Prozent der Absolventinnen Frauen.

"Einmal wurde über Brust-OPs gesprochen und dann ging es auf einmal um meine Oberweite. Und einer sagt: meine Brüste wären ja so flach, ob ich das nicht auch mal überlegen würde."
Hanne, Landschaftsarchitektin

Inzwischen sind Hanne und Kristin wachsamer und schlagfertiger geworden. Die Büros haben sie zwar gewechselt, aber ans Aufgeben nie gedacht. Und dass Sexismus nur ein Problem der Ingenieurswissenschaften sei, erst Recht nicht.

"Mein Chef hat mir plötzlich, während des Gesprächs, eine Strähne aus dem Gesicht gewischt und mir hinters Ohr geklemmt. Ich konnte mich in dem Moment nicht rechtfertigen oder wehren.“
Hanne, Landschaftsarchitektin