Beathe Uhse hat den ersten Sex-Shop der Welt eröffnet. Los ging es 1951 mit einem Erotik-Versandgeschäft, als vieles rund um Sexualität in Deutschland noch als unzüchtig und verboten galt. In einer neuen Biografie setzt sich Journalistin Katrin Rönicke kritisch mit "Tante Sex" auseinander und erzählt von ihrer Recherche in "Eine Stunde Liebe".

Angefangen hat die Karriere von Beate Uhse kurz nach dem zweiten Weltkrieg. 1951 gründete die Norddeutsche ein Versandgeschäfts für Ehehygiene und verkaufte zunächst erfolgreich die sogenannte "Schrift X". Eine Broschüre gerichtet an Frauen, mit einer Verhütungsmethode, die ihnen helfen sollte, ungewollte Schwangerschaften zu verhindern.

"Bei Beate Uhse ging der Wille zur sexuellen Aufklärung Hand in Hand mit dem Willen, Produkte verkaufen zu wollen."
Katrin Rönicke, Macherin des feministischen "Lila Podcast"

In ihrer Biografie "Beate Uhse – Ein Leben gegen Tabus" geht die Journalistin Katrin Rönicke auf den Werdegang dieser besonderen Unternehmerin ein. Feministische Ideale spielten nicht wirklich eine Rolle für den Aufklärungsdrang von Uhse. Im Fokus stand der wirtschaftliche Erfolg. Dafür kämpfte die Flensburgerin bis in die 70er Jahre viele Male vor Gericht, um ihr Erotik-Geschäft zu legalisieren.

Beate Uhse 1996 bei der Eröffnung des Berliner Erotik-Museums
© dpa
Beate Uhse 1996 in Berlin.
"Ab den 60er Jahren gab es in der Firma eine sehr gezielte PR, ich nenne das die Beate-Uhse-Story."
Katrin Rönicke, Macherin des feministischen "Lila Podcast"

Eine klare Marketing-Strategie, die sich um die Person Beate Uhse drehte, gehört zum Firmen-Erfolg ihres später börsennotierten Unternehmens dazu. Nach der sexuellen Revolution der 1960er Jahre hatten Beate Uhses Sexshops und ihr Versandhandel großen Zulauf. In den 70er Jahren stieg das Unternehmen auch in die Pornoproduktion ein, fokussierte sich dabei allerdings komplett auf männliche Kundschaft. In Beate Uhse Pornos dominiert der "male gaze", beschreibt Katrin Rönicke.

"Je mehr ich mich mit ihr beschäftigt habe, desto mehr hat mich Beate Uhse enttäuscht. Sie war selbst emanzipiert, aber nicht unbedingt eine Vertreterin der Emanzipation für alle Frauen."
Katrin Rönicke, Journalistin