Sexismus und sexualisierte Gewalt gegen Frauen ist nichts Neues, bisher wurden die Opfer nur nicht richtig ernst genommen, sagt Autorin Anne Wizorek.

Anne Wizorek initiierte 2013 zusammen mit anderen Frauen den Hashtag #aufschrei. In den Sozialen Medien posteten Frauen darunter ihre Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt. Kritiker der Feminimusdebatte argumentieren oft, dass die Diskussion um Gleichberechtigung überholt sei. Doch die Berichte von Frauen über sexuelle Gewalt zeigen erneut, dass Nötigung und verbale Belästigung zum Alltag vieler Frauen dazugehören. Oder, dass sie schon mindestens einmal in ihrem Leben selbst davon betroffen waren.

"Wir sind mitnichten so weit, wie wir immer geglaubt haben.

Wie den Betroffenen von sexueller Gewalt geholfen werden kann, ist individuell sehr unterschiedlich, sagt Anne Wizorek. Generell betrachtet findet die Autorin es wichtig, die aktuelle Diskussion zum Anlass zu nehmen, um zu schauen, wie es um die Infrastruktur der Beratungsstellen für Opfer von sexueller Gewalt steht. Laut Anne Wizorek gibt es viel zu wenige Anlaufstellen für Opfer und die meisten stehen finanziell sehr schlecht da.

"Die Tatsache, dass den Betroffenen von der Silvesternacht aus Köln ausnahmsweise geglaubt wird, ist leider immer noch die Ausnahme."

Es reicht aber nicht zu schauen, wie man mit dem Problem umgeht, wenn schon etwas passiert ist. Um präventiv gegen sexualisierte Gewalt vorzugehen, genügt es nicht nur Beratungsstellen einzurichten. Schon in Kindergärten und Schulen müsse eine geschlechtersensible Pädagogik eingeführt werden, findet Anne Wizorek. Grundsätzlich sollte darüber nachgedacht werden, was für ein Bild von Männlichkeit unsere Gesellschaft hat, wenn sexualisierte Übergriffe auf Frauen bis heute verharmlost werden, fordert die Bloggerin.

Die Initiatorin der Kampagne "#Aufschrei", Anne Wizorek", spricht bei der Internetkonferenz Re:publica am 08.05.2013 in Berlin.
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Die Initiatorin der #Aufschrei-Kampagne, Anne Wizorek", spricht bei der Internetkonferenz Republica 2013 in Berlin.
"Sexismus ist ein ungleiches Machtgefälle zwischen Männern und Frauen herzustellen und sexualisierte Gewalt ist ein Bestandteil, um dieses Machtgefälle beizubehalten."

Auch die neue Debatte um die Armlänge Abstand, die Frauen zu fremden Männern halten sollen, zeigt, dass die Verantwortung auch immer wieder auf die Opfer abgewälzt wird. Den Betroffenen wird somit eingeredet, dass sie die Straftat, die gegen sie verübt wurde, irgendwie provoziert hätten. Anne Wizorek fordert als Gegenmaßnahme, den Frauen zu verdeutlichen, dass sie keine Schuld tragen, sich Hilfe suchen und diese auch annehmen dürfen. Außerdem plädiert sie für Zivilcourage durch Umstehende, die beispielsweise den Frauen am Kölner Dom in der Silvesternacht nicht zu Hilfe gekommen sind.

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