Die Sprachassistenten auf dem Handy sind toll und gerade im Notfall sehr hilfreich. Wenn Frauen allerdings Hilfe nach sexuellen Übergriffen suchen, verweigern sie ihren Dienst.

Die Sprachsoftware auf eurem Handy, also Siri, Google Now oder S Voice können bei medizinischen Notfällen gut helfen. Völlig überfordert sind die Sprachassistenten aber bei anderen Notfällen: Auf die Aussagen "Ich bin vergewaltigt worden" oder "Ich war einem sexuellen Übergriff ausgesetzt" antwortet Apples Siri etwa mit einem überforderten "Ich weiß nicht, was das ist". Auch mit Aussagen wie "Mein Mann hat mich geschlagen“ oder "Ich wurde missbraucht“ konnten die virtuellen Assistenten nichts anfangen.

"Das ist die einzig logische Erklärung: Programmierer sind meist weiße Männer, also Mitglieder einer sehr homogenen Gruppe."
DRadio-Wissen-Reporterin Martina Schulte

Diese Siri-Geschichte ist kein Einzelfall. 2014 hat Apple eine Gesundheitsapp veröffentlich, die versprach alle Körper-Daten zu tracken. Die Menstruation allerdings kam auf der App nicht vor. Es hat ein Jahr gedauert, bis die App nachgebessert wurde. Das Onlinemagazin Quartz schreibt: Wenn es um Gesundheitsvorsorge geht dann ist die Männer-Zentriertheit nicht nur nervig, sie resultiert auch darin, dass reale Bedürfnisse ignoriert werden oder als unnötig oder Extraaufwand klassifiziert zu werden.

Beispiele für ähnliche Fälle, in denen Frauen unterrepräsentiert oder ignoriert werden, gibt es viele. Eine winzige Auswahl:

  • Die Google Suche zu "CEO" zeigt fast nur weiße Männer, obwohl 27 Prozent aller amerikanischen CEOs weiblich sind
  • Ein in Frankreich entwickeltes Kunstherz passt in 86 Prozent aller Männer-Brustkörbe, aber nur in 20 Prozent der Frauen-Brustkörbe
  • Eine Untersuchung von 50 beliebten Videospielen zeigt, dass 98 Prozent männliche Helden haben, nur 46 Prozent weibliche

Bei Apple haben die Siri-Entwickler inzwischen nachgelegt: Das Handy wendet sich bei Vergewaltigungsnotrufen nun an eine entsprechende Organsiation.

Schluss mit lustig

Eine Lösung für das eigentliche Problem ist das für Sara Wachter-Boettcher aber nicht. Sie schreibt auf Medium: Wer digitale Produkte für Menschen machen will, sollte damit aufhören, unterhaltsame, spaßige Interface-Roboter zu bauen. Eine Industrie, bei der es in erster Linie um Spaß gehe, dürfe nicht versagen, wenn ihre User sie am dringendsten brauchen.