In der Silvesternacht gab es in Hamburg, Stuttgart und vor allem in Köln mehr als 1200 Opfer von sexuellen Übergriffen, bis hin zu Vergewaltigung. Die meisten Täter werden ohne Strafe davonkommen.

"Wir müssen davon ausgehen, dass viele dieser Taten auch im Nachgang nicht mehr ausermittelt werden“, sagt der Chef vom Bundeskriminalamt Holger Münch. Das heißt: viele Verbrechen, viele Täter, wenig Verurteilungen.

An den Übergriffen auf Frauen in Köln und in anderen deutschen Städten sollen mehr als 2000 Männer beteiligt gewesen sein. Die meisten von ihnen stammten aus Nordafrika. Viele der Übergriffe und Diebstähle waren aus Gruppen heraus begangen worden. Die Polizei hat 120 Tatverdächtige im Visier. Bisher sind vier Männer verurteilt worden.

"Die Bilanz der Polizei sieht nicht besonders gut aus", sagt Britta von der Heide. Sie ist Autorin des Films "Böses Neues Jahr - Die Suche nach den Silvestertätern", in dem sie den Fokus auf Hamburg richtet. Dort schienen die Ermittlungen wegen der viel besseren Beweislage gut zu laufen. Es gibt viele Fotos, viele Videoaufnahmen - aber trotzdem haben es die Ermittler mit einer schwierigen Beweislage zu tun, und es ist ihnen nicht gelungen, die Täter schließlich zu überführen.

"Das Beweismaterial ist schwierig: Die Opfer haben Probleme, Gesichter zu identifizieren, die eigentlichen Taten sind nicht zu sehen, oder das Bildmaterial ist verwackelt."
Britta von der Heide, Autorin des Films "Böses Neues Jahr - Die Suche nach den Silvestertätern"

Am Anfang haben die Hamburger Ermittlungen funktioniert, viele Frauen haben sich und die Täter auf Fotos wiedererkannt. Tatverdächtige wurden ermittelt, sechs kamen in Haft. Aber: Inzwischen sind sie wieder frei. "Es fehlen die objektiven Beweismittel", erklärt Britta von der Heide, etwa DNA-Spuren und Fingerabdrücke. Für die Opfer sei das eine schwierige Situation, so die Autorin, auf ihnen laste der Druck, eine verbindliche Aussage zutreffen.

Polizei: Silverstübergriffe keine organisierte Kriminalität

Ergebnisse haben die Polizeiermittlungen aber trotzdem gebracht: Die Silvesterübergriffe sollen keine organisierte Kriminalität gewesen sein. Die Polizei haben WhatsApp-Chats und SMS-Verläufe ausgewertet. Demnach haben sich die Männer zwar verabredet - allerdings zum Feiern, nicht um Straftaten zu begehen.

Die Polizei fordert eine qualitativ bessere Videoüberwachung und Zugangskontrollen bei Großveranstaltungen - und vor allem mehr Polizeipräsenz.

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