Die Arbeit ins Homeoffice zu verlegen, ist für manche Branchen einfacher als für andere. Viele Bürojobs kann man relativ einfach von Zuhause machen. Aber wie sieht es bei Sexarbeit aus?

Viele Sexworkerinnen und Sexworker können aktuell ihre Arbeit nicht machen. Vielleicht ist auch das ein Grund, warum Portale wie OnlyFans immer populärer werden. Das soziale Netzwerk besteht seit 2016 und funktioniert im Prinzip wie jedes andere soziale Netzwerk. Man kann Fotos, Videos oder Texte dort veröffentlichen. Die Inhalte anderer Menschen sieht man aber erst, wenn man sie gegen Geld abonniert.

Empowerment durch Selbstdarstellung

Manche nehmen dafür 5 Dollar im Monat, andere aber auch 15 oder 50. Viele Leute, die dort unterwegs sind, veröffentlichen pornografische Inhalte. Davon können manche Menschen ziemlich gut leben. Unter anderem Yma, 22, die seit Anfang des Jahres auf der Plattform unterwegs ist. Für sie geht es dabei aber nicht nur ums Geld verdienen, sondern auch um Selbstverwirklichung und Empowerment. Sie denkt, dass solche Portale eine viel größere Bandbreite an Körperformen und Charakteren abbilden, als klassische Pornos.

"Dicke Frauen, schwarze Frauen, lesbische Frauen, also es gibt so viele unterschiedliche Frauen, Männer und alles, was dazwischen ist. Ich glaube, es ist empowernd für die Leute, weil sie so in klassischen Pornos nicht vertreten werden."
Yma, Sexworkerin, darüber, wer bei OnlyFans so unterwegs ist

Undine ist 47 Jahre alt und arbeitet seit über 25 Jahren als Sexworkerin. Eigentlich trifft sie die wenigsten ihrer Kundinnen und Kunden ausschließlich online, denn der direkte Kontakt ist ihr wichtig. Durch Corona musste sie sich aber teilweise neu aufstellen.

In "Eine Stunde Liebe" spricht Undine aber nicht nur darüber, wie das Internet aktuell ihre Arbeit beeinflusst, sondern auch, wie sie ohne Internet gearbeitet hat. Als sich das Internet Anfang der Nuller Jahre immer mehr ausgebreitet hat, war das für sie in erster Linie ein Schritt zu mehr Unabhängigkeit. Unter anderem war sie da nicht mehr abhängig von Zeitungsanzeigen und konnte ihre Kommunikationswege selbst bestimmen. Heute kommuniziert sie quasi ausschließlich per Mail.

"Das war wirklich schön, als das von den Gästen angenommen wurde und wir unsere Kassettenrekorder und Anrufbeantworter einmotten konnten."
Undine, Sexworkerin

Undine spricht in "Eine Stunde Liebe" außerdem darüber, ob es Bereiche in der Sexarbeit gibt, denen das Internet weniger nutzt, als anderen.