Schiffstreibstoff enthält Schwefeldioxid. Dadurch entstehen – ähnlich wie bei Flugzeugen – Kondensstreifen. Durch neue Richtlinien ist der Schwefelausstoß zurückgegangen, dadurch auch die Kondensstreifen.

Kondensstreifen von Flugzeugen hat sicherlich jeder von uns schon mal am Himmel gesehen. Manche von uns finden sie schön anzusehen, aber im Prinzip sind sie ein Indikator dafür, dass Flugzeuge Schadstoffe in die Luft abgeben und schädlich fürs Klima sind. Dabei ließen sie sich auch leicht reduzieren oder sogar vermeiden.

Kondensstreifen von Schiffen, auch Ship Tracks genannt, haben wohl die wenigsten von uns schon einmal gesehen. Das liegt daran, dass sie viel niedriger auftreten als Flugzeugkondensstreifen, und zwar ungefähr auf einer Höhe von 500 bis 1.000 Metern.

"Man kann vieles an ihnen ablesen, zum Beispiel, wie viele Schadstoffe im Schiffsverkehr ausgestoßen werden."
Inga Gebauer, Deutschlandfunk Nova

Was wir mit bloßem Auge nicht entdecken können, zeichnet sich hingegen sehr deutlich auf Satellitenbildern ab. Allerdings ist es noch gar nicht so lange her, dass die Streifen zum ersten Mal gesichtet wurden. Die sogenannten Ship Tracks entdeckte man zum ersten Mal vor rund 50 Jahren auf Satellitenbildern der Nasa: In Form eines gigantisches Netzes, das sich über den Erdball zieht.

Wie Ship Tracks entstehen

Die Ship Tracks zeigen Umweltverschmutzung an: Wenn der Schiffstreibstoff im Verbrennungsmotor verbrannt wird, gelangen Feinstaubpartikel durch den Rauch in die Atmosphäre. An diesen Partikeln kondensiert Wasserdampf und es bilden sich winzige Tröpfchen und letztendlich diese streifenförmigen Wolken – die Kondensstreifen.

Kondensstreifen zeichnen sich besonders deutlich ab, wenn Schwefel im Schiffsdiesel enthalten ist. Das bedeutet also, je mehr Ship Tracks man erkennen kann, desto mehr Schwefeldioxid wird von den Schiffen in die Luft abgegeben.

Besonders in Küstennähe gefährdet das die Gesundheit von Menschen, aber es trägt auch zur Versauerung der Meere bei. Zudem beeinflussen die Ship Tracks auch das Klima und die natürliche Wolkenbildung.

Ship Tracks laut Studie zurückgegangen

Ein Forschungsteam der US-Raumfahrtbehörde Nasa hat sich Satellitenbilder dieser Ship Tracks angesehen und dabei einige Erkenntnisse gewonnen.

Die Forschenden werteten besonders oft genutzte Schiffsrouten über einen Zeitraum von 17 Jahren, zwischen 2003 und 2020, aus. Dabei stellten sie fest: Gesetzliche Vorschriften zur Reduzierung von Schiffsdiesel scheinen zu wirken, zumindest regional.

Die Forschenden schauten sich die Ship-Track-Daten in sogenannten Emission Control Areas an. Das sind Regionen, in denen der Ausstoß von Schwefel und Schwefeloxiden durch Seeschiffe eingeschränkt werden soll.

Dichte der Ship Tracks hat sich verringert

Davon gibt es weltweit mehrere. Beispielsweise zählen alle europäischen Gewässer dazu. Und für diese Regionen gilt seit 2015, dass dort Schiffe nur noch mit Treibstoff fahren dürfen, der maximal 0,1 Prozent Schwefel enthalten darf. Tatsächlich wurde seit 2015 die Dichte der Ship-Tracks auf den Satellitenbildern in diesen Schutzregionen immer geringer.

Die Forschenden führen diese Entwicklung zum Teil darauf zurück, dass manche Schiffe ihre Routen ändern, um die Schutzzonen mit den strengeren Vorschriften zu umgehen.

Für Gebiete außerhalb der Schutzzonen gibt es allerdings seit 2020 eine weitere Vorschrift zum Schwefelgehalt von Schiffstreibstoffen, die weltweit gilt.

Schwefelgehalt konnte um 86 Prozent reduziert werden

Dieser Regelung zufolge darf der Diesel nur noch 0,5 Prozent Schwefel betragen. Die Wirkung dieser Verordnung zeige sich sehr deutlich, sagen die Forschenden. Denn anhand der Ship-Track-Bilder konnte berechnet werden, dass der Schwefelgehalt in Schiffsdiesel sich seit der Regelung um 86 Prozent reduziert hat.

Allerdings kritisieren Umweltschutzorganisationen, dass nicht alle Reeder den saubereren und damit teureren Treibstoff kaufen, sondern viele auch mit sogenannten Scrubbern arbeiten. Das sind Anlagen, die die Schadstoffe sozusagen aus den Schiffsabgasen herauswaschen.

"Damit sind die Schadstoffe zwar aus den Abgasen raus, aber eben nicht aus der Welt."
Inga Gebauer, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Diese teils hochgiftigen Rückstände werden oft im Meer entsorgt. So landen sie dann in der Meeresumwelt, und letztendlich auch in unserer Nahrungskette, fasst Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Inga Gebauer die Erkenntnisse des Nasa-Forschungsteams zusammen.