Im AKW Philippsburg wurden Sicherheitskontrollen vorgetäuscht - von einem externen Mitarbeiter. In Biblis soll Ähnliches passiert sein. Ist es normal, dass Externe wichtige Arbeiten übernehmen? Ja, und vor allem: Die AKWs haben ein Personalproblem.

Im Atomkraftwerk Philippsburg in Baden-Württemberg wurden wichtige Sicherheitskontrollen mehrfach nicht gemacht. Verantwortlich für die Kontrollen war ein externer Mitarbeiter, der die Arbeiten vortäuschte. Ähnliches gilt wohl für das AKW in Biblis: Ein Mitarbeiter hat Sicherheitsprüfungen an Messgeräten dokumentiert, aber wohl nie durchgeführt.

Sicherheit in AKWs

Aber es gibt noch mehr Nachrichten rund um AKWs: Mindestens einer der mutmaßlichen Terroristen, die zuletzt in Belgien gefasst wurden, soll sich intensiv mit AKWs und ihrer Sicherheitsarchitektur beschäftigt haben.

Wichtig ist, hier zunächst zu unterscheiden, sagt Jürgen Döschner, Energie-Experte der ARD. Auf der einen Seite geht es um schlampige Kontrolleure. Auf der anderen Seite um mutmaßliche Terroristen. Vorgetäuschte Kontrollen können schlimme Folgen haben. Dennoch: Es geht hier nicht um die bewusste Sabotage.

"In jedem AKW gibt es Schwachstellen. Man kann mit relativ geringem Aufwand großen Schaden anrichten."
Jürgen Döschner ist Energie-Experte der ARD

Für einen gezielten terroristischer Angriff auf ein AKW braucht es keine riesigen Sprengladungen, sagt Döschner. Es reicht schon, die Stromversorgung zu kappen und gleichzeitig die Notstromaggregate lahmzulegen. Solch eine Situation ist vergleichbar mit jener in Fukushima, als es 2011 zur Kernschmelze und zum Atomunfall kam.

Externe Mitarbeiter in AKWs

Neben den Meldungen aus Belgien, kam auch an die Öffentlichkeit, dass bei Kontrollen von AKWs geschlampt wurde - von externen Mitarbeitern. Dass Externe in Kernkraftwerken arbeiten, ist total üblich, sagt Döschner. Der Arbeitsaufwand in einem AKW ist unterschiedlich hoch: Bei großen technischen Überprüfungen zum Beispiel, braucht es zusätzlich hunderte oder mehr Kräfte. Auch die Sicherheits- und Reinigungskräfte kommen meist von externen Dienstleistern.

"Wenn bei den Kontrollen geschlampt wird, kann das verheerende Konsequenzen haben."
Jürgen Döschner ist Energie-Experte der ARD

Externes Personal in AKWs wird in Deutschland geprüft. Sie müssen zum Beispiel ein Führungszeugnis vorlegen. Aber Döschner sieht noch ein ganz anderes Problem. Nicht nur in Deutschland, auch weltweit, haben die Betreiber der AKWs echte Personalsorgen. Sie finden kein qualifiziertes Personal.

Damit sich Fälle wie in Biblis oder Philippsburg nicht wiederholen, braucht es mehr Kontrollen durch den Staat, sagt Döschner. Die staatliche Atomaufsicht muss noch viel stärker die Kontrolleure in den AKWs kontrollieren. Denn wenn über einen längeren Zeitraum wichtige Kontrollen vorgetäuscht werden können, dann läuft da etwas falsch, so Döschner.