Kathleen Jah lebt und arbeitet als Architektin in Freetown, der Hauptstadt von Sierra Leone. Am 14.08.2017 kam es dort nach heftigen Regenfällen zu Überschwemmungen und Erdrutschen. Mehr als 300 Menschen kamen bei dem Unwetter ums Leben. Bis zu 3000 Menschen haben ihr Zuhause verloren, schätzt das Rote Kreuz. 

Kathleen Jah lebt ein wenig außerhalb der betroffenen Gebiete, für ihren Verlobten allerdings waren die Folgen deutlich spürbar. Er betreibt ein Restaurant am Strand von Freetown. Dort sind am Montagmorgen Leichen angeschwemmt worden.

"Es musste erst mal koordiniert werden, was jetzt mit den Leichen passiert, wer angerufen werden muss, wo die Leichen hinkommen und so weiter."
Kathleen Jah lebt und arbeitet als Architektin in Freetown

Momentan herrscht in Freetown absoluter Ausnahmezustand, berichtet Kathleen Jah. Viele Menschen sind durch die Überschwemmungen obdachlos geworden. Und während die einen sich mit Aufräumarbeiten beschäftigen, versuchen andere irgendwie wieder, ihre gewohnte Tätigkeit aufzunehmen, weil es doch irgendwie weitergehen muss. Ein großes Chaos, so beschreibt es Kathleen Jah.

"Alle Leute sind in Schock und natürlich auch in tiefer Trauer um die vielen Leute, die in den letzten Tagen ihr Leben lassen mussten."
Kathleen Jah lebt und arbeitet als Architektin in Freetown

Das Land und die in Freetown tätigen Hilfsorganisationen versuchen nach Kräften, Notunterkünfte zu erschaffen und Anlaufstellen zu errichten. Außerdem bilden sich private Initiativen und auch über die sozialen Netzwerke wird Hilfe organisiert.

Katastrophe durch mangelhafte Infrastruktur

Dass die Überflutungen eine solche Katastrophe nach sich ziehen, hat auch mit der Architektur der Stadt zu tun. Viele Häuser sind selbst gezimmerte Unterkünfte aus Wellblech, stehen unter anderem an Stellen, für die es gar keine Genehmigung gibt.

"Viele der Häuser, die jetzt weggeschwemmt wurden, sind temporäre Bauten, also Blechhütten, die keine vernünftigen Fundamente haben und keinen Sicherheitsstandards entsprechen."
Kathleen Jah lebt und arbeitet als Architektin in Freetown

Ein weiteres Problem: Viele der Slums, die sich in Freetown auftun, haben keine vernünftigen Abwassersysteme. Das heißt, das Wasser bahnt sich den Weg einfach so, wie es eben kommt. Das hat natürlich katastrophale Folgen, wenn solche Wassermassen vom Himmel kommen, wie zuletzt.

Diese Flut ist keine Ausnahme in Freetown. Jedes Jahr kommt es zu Überflutungen, die letzte große Flut war erst vor zwei Jahren. Das Land versucht aber vergeblich, die Menschen aus den informellen Siedlungen zu bringen, die sich in Freetown immer wieder bilden. 

"Das stellt sich als relativ schwer dar, weil die Leute ihren Alltag dort gewohnt sind, weil sie wissen, wie sie sich da ihren Lebensunterhalt verdienen können."
Kathleen Jah lebt und arbeitet als Architektin in Freetown