In der Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altenheimen sowie Fachwerkhäusern darf in Deutschland nicht geböllert werden. Jetzt stehen auch Flüchtlingsunterkünfte auf der Liste.

An welchen Orten zu Silvester Böller und Raketen gezündet werden und wo nicht, regelt in Deutschland das Sprengstoffgesetz. Flüchtlingsunterkünfte stehen bislang nicht auf der Liste. Trotzdem ist - aus Brandschutzgründen - jetzt auch in Flüchtlingsunterkünften das Böllern verboten. Das heißt, Flüchtlinge selber dürfen zu Neujahr zum Beispiel im Hof ihrer Unterkunft keine Silvester-Raketen zünden.

Die Johanniter-Unfallhilfe in Bremen und Niedersachsen hat zudem auch die Bevölkerung gebeten, in der Nähe von Flüchtlingsunterkünften auf das Böllern zu verzichten:

"Wir haben in den Einrichtungen viele traumatisierte Menschen haben, darunter auch viele Kinder, die Krieg und Gewalt mit einschlagenden Bomben in den letzten Monaten erlebt haben."
Oliver Bruse, Pressesprecher der Johanniter

Bei Menschen mit Kriegstraumata können die Geräusche und grellen Lichter Flashbacks erzeugen. Das heißt, sie werden in die Kriegssituation zurückversetzt, erleben bestimmte, traumatisierende Ereignisse erneut und bekommen Panikattacken. In einer Flüchtlingseinrichtung in Köln verzichten die Helfer sogar auf Luftballons, wenn sie mit Kindern spielen, weil sie erlebt haben, dass die Kinder in eine Schockstarre verfallen, sobald ein Luftballon platzt.

Statt auf ein Verbot setzen andere Gemeinden auf Aufklärung. Vor Silvester werden dort Flyer verteilt, die erklären, was es mit diesem Brauch auf sich hat, und dass er Teil unserer Kultur ist. In der Nähe von Würzburg gab es heute sogar ein kleines Mini-Feuerwerk, um den Geflüchteten die Angst zu nehmen.