In Köln steht ein 26-Jähriger vor Gericht. Der Vorwurf: sexuelle Nötigung. Es ist der erste Prozess wegen einer Sexualstraftat in der Silversternacht. Wie es zu den vielen Taten kommen konnte, wird weiterhin diskutiert. Es gibt verschiedene Erklärungen, doch vieles bleibt unklar. DRadio Wissen-Reporterin Katrin Ohlendorf hat seit Januar die Aufarbeitung der Vorfälle verfolgt.

Im Zusammenhang mit der Silvesternacht in Köln gibt es bis heute 1.169 Anzeigen. Es geht um Raub, Diebstahl, Körperverletzung und um sexuelle Übergriffe. Bei 490 der knapp 1.200 Anzeigen geht es um Sexualdelikte - sexuelle Beleidigung bis hin zu Vergewaltigung, sagt Katrin.

Die Ermittlung der Täter ist schwierig

Heute (6. Mai) startet in Köln der erste Prozess wegen einer sexuellen Straftat. Es gab schon mehrere Verfahren im Zusammenhang mit der Silvesternacht. Dabei ging es um Diebstahl. Jetzt steht ein 26-jähriger Algerier vor Gericht. Ihm wird sexuelle Nötigung vorgeworfen. Außerdem Diebstahl in einem besonders schweren Fall und Raub. Mit ihm ist auch ein 23-jähriger Algerier angeklagt, wegen Diebstahl und Raub.

Die Ermittlungen gegen weitere Täter laufen, scheinen aber schwierig zu sein. Auf den Videos aus der Nacht lässt sich wenig erkennen. Es ist dunkel, nebelig vom Feuerwerk und die Menschen sind so dicht zusammen gedrängt, dass sich nur wenige Personen identifizieren lassen. Selbst die Opfer haben teilweise nicht erkannt, wer sie aus der Menge heraus beklaut oder bedrängt hat, sagt Katrin.

"Auf organisierte Kriminalität gibt es keine tragfähigen Hinweise."
Ulrich Bremer, Kölner Staatsanwaltschaft

Die Polizei hat bislang 159 Verdächtige ermittelt - knapp hundert davon sind aus Marokko oder Algerien. Viele sind Asylsuchende, manche auch illegal in Deutschland, so Katrin. Der Polizei ist diese Tätergruppe bekannt und spricht von nordafrikanischen Intensivtätern. Zu den bekannten kriminellen Maschen gehört der sogenannte Antanztrick. Dabei werden Opfer umzingelt und bestohlen. Die massenhaften sexuellen Übergriffe der Silvesternacht lassen sich dadurch allerdings nicht erklären.

Fehlende Kommunikation bei der Polizei

Nach Sylvester war auch die frage gestellt worden, ob es sich um organisierte Kriminalität handelt. Das Bundeskriminalamt und die Staatsanwaltschaft in Köln sagen, dafür gebe es keine tragfähigen Hinweise. Bis heute lässt sich nicht genau sagen, was in der Sylvesternacht passiert ist und was der Auslöser für solch eine Dynamik von massenhaftem Raub und sexuellen Übergriffen entstehen konnte.

Klar ist, dass es in Köln bei der Landes- und Bundespolizei sowie dem Ordnungsamt eine Reihe an Kommunikations- und Planungsfehlern gab. Mit diesen Pannen beschäftigt sich zurzeit ein Untersuchungsausschuss im Landtag von Nordrhein-Westfalen.