Als die Explosion den Hafen von Beirut zerstörte, war Sina Schweikle nur wenige Hundert Meter entfernt. Sie überlebte. Sina Schweikle arbeitet für den Verein Orienthelfer. Nach der Katastrophe hat sie mit erlebt, wie Menschen ihre Stadt wieder aufräumen.

Am 4. August 2020, abends gegen 18 Uhr, wollte Sina Schweikle auf dem Weg nach Hause noch einmal in ihr Büro – und nicht gleich nach Hause. "Ich glaube, das hat mir das Leben gerettet", sagt sie. Denn als sie im Büro ankam, gab es ein lautes Geräusch, alles bebte und im nächsten Moment fand sie sich auf dem Boden liegend wieder.

Beirut: Die Explosion war ein Desaster

Im Hafen, nur wenige Hundert Meter entfernt, waren rund 2750 Tonnen Ammoniumnitrat explodiert. Das Salz wird für Dünger, aber auch Sprengstoff genutzt. Über Jahre hinweg hatten die Unmengen an Ammoniumnitrat achtlos und ohne Sicherheitsvorkehrungen im Hafen gelagert. Dann kam es zu der verheerenden Explosion.

Eine Frau läuft in Beirut über die Straße.
© Deutschlandfunk Nova | Sina Schweikle
Eine Frau läuft in Beirut über die Straße

Sina Schweikle rannte raus aus dem Haus. "Auf der Straße war komplettes Chaos." Menschen unter Schock. Andere schwer verletzt und vor Schmerzen schreiend. Alle in Sorge um ihre Familien, Freunde und Freundinnen im Rest von Beirut.

"Überall waren Glassplitter, Blut und Staub. Menschen sind schreiend durch die Gegend gerannt."
Sina Schweikle

Nach der heftigen Explosion und der Schockstarre gingen viele Beiruter aber am nächsten Tag raus, um zu helfen. Sie räumten Trümmer weg, kehrten die Straßen. Versorgten andere mit Lebensmitteln und Wasser. Es kamen Freiwillige aus dem ganzen Land, um in Beirut zu helfen, so Sina Schweikle.

"Es gab diese Explosion. Alles war in Schutt und Asche und jeder im Schock. Am nächsten Tag haben sich ganz viele Leute aufgemacht, haben gefegt und gemacht und getan."
Sina Schweikle

Sina Schweikle lebt immer wieder im Libanon, sie arbeitet für den Verein Orienthelfer. Der bietet schwerpunktmäßig in Syrien und dem Libanon humanitäre Hilfe und Unterstützung an.

Sina Schweikle
© Deutschlandfunk Nova | Sina Schweikle
Sina Schweikle

Humanitäre Hilfe ist ihr Ding. Dabei sei es nicht nur schön, anderen helfen zu können. Sondern eben auch wichtig, sagt Sina Schweikle. Sie selbst hat nach der Explosion erlebt, wie wichtig es ist, Unterstützung zu bekommen. "Ich habe leider bemerkt, dass dir innerhalb kürzester Zeit einfach alles weggenommen werden kann", sagt Sina Schweikle. Sie habe sofort viel Hilfe erfahren, von Menschen auf der Straße, ebenso aus dem Freundeskreis.

Libanons Wirtschaft bietet kaum Jobs

Sina Schweikle ärgern die Klischees über den Libanon, mit denen sie manchmal in Deutschland konfrontiert wird. Der Libanon lasse viele vor allem an Krieg und Terrorismus denken. Aber das Land sei vielfältig. Es gebe eine Kultur- und Kunstszene, abends öffnen Bars. Auch wenn die Explosion in Beirut erst einmal auch viele dieser Orte zerstört hat.

Zugleich sei der Frust über die Regierung groß. Viele junge Menschen sehen keine Perspektive für sich. Obwohl viele mehrere Sprachen sprechen, gute Abschlüsse haben und kompetent sind. Aber die Wirtschaft des Landes liegt am Boden – und zwar nicht erst seit der Explosion.