Wenn wir über Gerüche reden, fangen wir meistens an zu beschreiben, einen Wortschatz - wie für Farben - haben wir für Gerüche nicht. Die Künstlerin und Duftforscherin Sissel Tolaas beschäftigt sich genau mit dieser Leerstelle und entwickelt mit Nasalo eine Sprache für olfaktorische Wahrnehmungen.

Der Duft der sommernassen Straße heißt in Nasalo zum Beispiel Fre. Dado bezeichnet den Geruch von toten Blättern und Kompost und Giish Geld. Sissel Tolaas macht das nicht nur zum Spaß, sondern sie sagt, dass eine bessere und tiefere Wahrnehmung von Gerüchen das Sehen und Hören verstärken kann. Darüber hinaus können wir mit Hilfe von einem erweiterten Geruchssinn toleranter werden und ganz neue Perspektiven auf unsere Umgebung gewinnen.

Die Nase von Kindern ist sensibler und unvoreingenommen

Konkret bedeutet das: Die Nase ist ein wichtiges Werkzeug, wenn es ums Essen oder um die Partnerwahl geht. Bei einem Brand riechen wir die Gefahr meistens zuerst. Da kann uns der Geruchssinn das Leben retten. Sissel Tolaas findet allerdings, dass dieser Sinn ansonsten eher unterfordert ist und nicht wirklich genutzt wird. Sie will das ändern und arbeitet zum Beispiel mit Kindern daran, die Nase zu trainieren, weil deren Fähigkeiten zu Riechen noch unverbraucht und weniger geprägt sind.

"Wie riecht Frühling?"
Sven Preger, Moderator
"Frühling ist sehr abstrakt, aber bei Menschen, die sich weniger winterlich kleiden, da riecht man wesentlich mehr Körpergerüche."
Sissel Tolaas, Künsterlin und Duftforscherin

Sissel Tolaas zieht mit einem Gerät durch die Welt, das als eine Mischung aus Staubsauger und Geigerzähler beschrieben wird. Sie kann damit Gerüche einfangen, die sie dann wiederum luftdicht in silbernen Blechdosen verpackt. In ihrem Archiv stehen mittlerweile an die 7000 solcher Blechdosen, in denen zum Beispiel der Duft von Schweiß oder Angst gespeichert ist. Für eine Ausstellung hat sie den Geruch des Ersten Weltkriegs reproduziert. Mit einer Duftmischung aus verbanntem Fleisch, Schwarzpulver, verwesenden Körpern, Gas, Blut, matschiger Erde und Angstschweiß.

Portrait von Sissel Tolaas mit einem Duft-Zerstäuber in der Hand
© dpa
Sissel Tolaas hat auch einen Duft für die Zeche Zollverein in Essen kreiert - der duftet nach Kohlenstaub, Steinen und Rost.

Sissel Tolaas

Sissel Tolaas stammt aus Norwegen und lebt seit mehr als 20 Jahren in Berlin. Sie hat eine Kombination aus Chemie, Mathe und Kunst studiert. Heute erforscht sie die Welt der Düfte und der Gerüche.