Sie mutet uns so unglaublich neu und einmalig an: die aktuelle Einwanderung aus dem nördlichen Afrika nach Europa. Doch eine solche Migration hat es bereits vor 7.500 Jahren gegeben. Auch damals kamen die Menschen in unvorstellbarer Anzahl aus dem Gebiet des heutigen Syrien oder Irak zu uns.

Der Direktor und Professor des Max-Planck-Instituts für Menschheitsgeschichte in Jena, Johannes Krause, hat die Vermischung des europäischen Jägers und Sammlers mit den Vieh- und Ackerbauern des Nahen Ostens erforscht und entdeckt. Krause ist auch Biocheniker und Genetiker. Er haucht alten Knochen neues Leben ein, indem er uralten Skeletten das Erbgut entlockt.

"Das erste menschliche Genom wurde vor zwölf Jahren entschlüsselt. Es hat damals noch 13 Jahre gedauert und es hat zwei Milliarden Euro gekostet. Das können wir heute an einem Tag machen. Es kostet nur noch 500 Euro."
Johannes Krause, Evolutionsforscher

Möglich machen das neueste Technologien, mit deren Hilfe die menschliche DNA entschlüsselt werden kann. Riesige Datenmengen fallen dabei an - "Big Data" nennt sie Krause selbst - und genau die führen in kleinteiliger Puzzlearbeit zu einer Menschheitsgeschichte, wie wir sie nie zuvor kannten. Was dort lebendig wird, hat nicht nur in der Fachwelt Erstaunen ausgelöst. Und wie immer in der Wissenschaft: Eine gefundene Antwort zieht sofort eine Unzahl weiterer Fragen nach sich.

Neues Leben in alten Knochen

Krause hat seine Entdeckungen am 22. Juli 2015 im Carl-Zeiss-Planetarium in Jena vorgestellt: " „Die genetische Herkunft der Europäer: Migration in der Vorgeschichte“. Gehalten hat er den hochspannenden Vortrag für die Friedrich-Schiller-Universität Jena in Zusammenarbeit mit der Ernst-Abbe-Stiftung.