In Deutschland warten sehr viele Patientinnen und Patienten vergeblich auf ein Spenderorgan. Ein neues Gesetz soll das ändern. Doch die geplante Widerspruchsregelung geht vielen nicht weit genug.

Etwa 9400 schwerkranke Menschen warten in Deutschland auf Organe, die ihnen das Leben retten könnten. Doch es gibt nicht genügend Spenderinnen und Spender: Deutschland muss Organe aus dem Ausland importieren, um einen Bruchteil des Bedarfs decken zu können. Und das schon seit Jahren. Aber warum ist das so?

"In Deutschland gibt es keine Kultur für eine Organspende", sagt der Herzchirurg Gregor Warnecke, "diese Kultur führt dazu, dass Menschen, die unentschlossen sind, auch unentschlossen bleiben". Nach Willen von Gesundheitsminister Jens Spahn soll deswegen jeder Hirntote automatisch Organspender werden - wenn er oder sie zu Lebzeiten nicht widersprochen haben. Der Bundestag muss dem am 16.01.2020 zustimmen.

"In Deutschland gibt es keine Kultur für eine Organspende."
Gregor Warnecke, Herzchirurg

Für Gregor Warnecke wäre das eine gute Lösung: "Natürlich ist es richtig, dass sich Menschen ethische Gedanken machen, und wer dagegen ist, ein Organ zu spenden, der muss das auch nicht tun." Das gelte auch, wenn es eine Widerspruchsregelung gebe. Mit dieser Meinung steht der Chirurg nicht alleine.

Antje Büll hat eine Dokumentation gemacht: "Organspende - Jetzt reden die Ärzte". Dafür hat sie mit Gregor Warnecke und vielen anderen Ärzten und Chirurginnen gesprochen: Wer mit Patientinnen und Patienten zu tun habe, der befürworte fast immer die geplante Widerspruchsregelung und sei grundsätzlich für die Organspende. "Denn sie sehen, dass sie Leben retten können und wie wichtig das ist", sagt Antje Büll.

Mehr Organspenden durch Widerspruchslösung

Durch die Widerspruchslösung dürfte es auch in Deutschland deutlich mehr Organspenderinnen und Spender geben. "Aber in Deutschland können nur Leute, die ursächlich am Hirntod gestorben sind, Organspender werden", erklärt Antje Büll. Menschen, die einen Herz-Kreislauf-Tod erleiden, dürfen keine Organe entnommen werden.

Das macht es für bereitwillige Spenderinnen und Spender kompliziert. Denn ein Mensch, der gerne seine Organe spenden würde, aber in seiner Patientenverfügung festgelegt hat, dass er nicht monatelang an Beatmungsgeräte angeschlossen sein möchte, kann nicht spenden. Das Ausschalten der Geräte würde zum Herz-Kreislauf-Tod führen - was die Entnahme von Organen verbietet.

"Ich kann mir nicht vorstellen, mit was für einer Regelung wir mehr Organspender bekommen könnten."
Antje Büll, Wissenschaftsjournalistin

In anderen europäischen Ländern wie Spanien, Großbritannien oder Frankreich ist das anders. Antje Büll hat herausgefunden: "Viele Ärzte, sagen, wir sollten die Regelung dieser Länder auch in Deutschland einführen."