Am 14. Februar 1989 verhängte der iranische Staatschef Ajatollah Chomeini eine Fatwa über Salman Rushdie. Muslime auf der ganzen Welt waren aufgerufen, Rushdie zu ermorden. Ein Kopfgeld von zunächst einer Million US-Dollar wurde ausgesetzt.

Am 14. Februar 1989 verhängte der iranische Staatschef Ajatollah Chomeini eine Fatwa über Salman Rushdie. Muslime auf der ganzen Welt waren aufgerufen, Rushdie zu ermorden. Ein Kopfgeld von zunächst einer Million US-Dollar wurde ausgesetzt.

"Die Fatwa endete für Salman Rushdie erst, als er wieder seinen richtigen Namen annehmen konnte."
Martina Wagner-Egelhaaf, Literaturwissenschaftlerin

Jahrelang musste Rushdie untertauchen. Er nahm einen anderen Namen an und stand unter dem Schutz von Scotland Yard. Heute lebt er wieder offen unter seinem eigenen Namen in New York. Aber die Fatwa hat sein Leben für immer geprägt.

"Der Fall Rushdie stellt den Auftakt für weitreichende weltpolitische Veränderungen dar, die mit dem 11. September 2001 einen weiteren schockierenden Höhepunkt erfuhren."
Martina Wagner-Egelhaaf, Literaturwissenschaftlerin

Das Todesurteil gegen Rushdie war ein Skandal, der weltweit für Aufmerksamkeit sorgte. Man kann "Die Satanischen Verse" nicht lesen, ohne immer auch an die Fatwa und ihre Folgen zu denken. Die Literaturwissenschaftlerin Martina Wagner-Egelhaaf erzählt in ihrem Vortrag, wie sich der Skandal um Rushdies Roman entwickelt hat.

"Unsere Gegenwart steht immer noch unter dem Einfluss und dem Bann dieser erschütternden globalen Verunsicherung, die das Thema Religion erneut auf die weltpolitische Agenda gebracht hat."
Martina Wagner-Egelhaaf, Literaturwissenschaftlerin

In ihrer Forschung untersucht Martina Wagner-Egelhaaf, was Literaturskandale mit Autoren machen und welche Folgen sie haben. Manchmal nehmen wir einen Schriftsteller zum Beispiel überhaupt erst durch einen Skandal als Person wahr. Die Fatwa gegen Rushdie wirkt bis heute nach. Sie hat die politische Landschaft weltweit geprägt und das Verhältnis von Religion, Politik und Gesellschaft mitbestimmt.

Martina Wagner-Egelhaafs Vortrag hat den Titel „Autorschaft als Skandal. Der Fall Rushdie“. Sie hat ihn am 12. Oktober 2019 in Berlin auf der Tagung "Eskalation! Skandal in der Literatur und den Künsten" gehalten. Organisiert wurde die Tagung von der Friedrich-Schlegel Graduiertenschule für literaturwissenschaftliche Studien der Freien Universität Berlin. Der Vortrag basiert auf einem Artikel in dem Sammelband "Vergleichende Weltliteraturen/Comparative World Literatures. DFG Symposion 2018", Dieter Lamping und Galin Tihanov (Hrsg.), Metzler-Verlag, 2019.