Smarte Glühbirnen können sich automatisch an die Farbe des Fernsehbildes anpassen oder beim Musikhören im Takt aufleuchten. Zusammen mit dem Lichtsensor im Smartphone könnten sie zum Problem für Privatsphäre und Datenschutz werden.

Anindya Maiti kauft sich 2016 eine smarte Glühbirne und spielt etwas mit ihr herum, bis er sie so einstellt, dass sie sich immer automatisch an sein Fernsehbild anpasst. Weil er aber seine Nachbarn nicht so gerne mag, fragt er sich: "Können meine Nachbarn vom Licht der Lampe ableiten, was ich gucke oder höre?"

Smarte Glühbirnen mit Lichtsensor auslesen

Anindya ist Wissenschaftler an der Universität von Texas. Deshalb schaut er sich an, wie diese Lampe Bilder und Musik in Farben und Helligkeit übersetzen. Und dann berechnet er für 400 Charthits und 500 Filme, wie eine smarte Lampe auf sie reagieren müsste.

Der nächste Schritt sind Experimente in die andere Richtung: Er hält einen Lichtsensor in das Licht der Lampe und ein Computerprogramm gleicht dann die Sensorsignale mit den eingespeicherten Songs und Filmen ab. Und nach drei Jahren Forschung steht fest: Es funktioniert. Nur anhand der Signale vom Lichtsensor erkennt der Computer, was gerade in dem Raum abgespielt wird.

"Die meisten meiner Nachbarn sind wahrscheinlich nicht technisch versiert genug, um mich auf diese Art auszuspionieren. Aber unter anderen Umständen hätten solche Angriffe große Auswirkungen."

Dass uns unsere Nachbarn wirklich auf diese Art ausspionieren, ist eher unwahrscheinlich, gibt Anindya zu. Aber in Hochsicherheits-Szenarien könnte das schon kritisch sein. Das gilt vor allem für ein anderes Experiment, das er mit den Lampen gemacht hat. Diesmal nicht mit dem bunten Licht, sondern mit unsichtbarem Licht, also Infrarot.

Weiteres Experiment mit Infrarot

Manche smarte Lampen haben Infrarot-LEDs eingebaut, um beispielsweise den Bereich einer Überwachungskamera unsichtbar zu beleuchten. Anindya Maiti hat diese LEDs missbraucht, um Daten zu übertragen. Das Szenario geht so: Man könnte sich einen Trojaner vorstellen, der zum Beispiel auf einem Smartphone Bilder oder Textnachrichten ausliest und an eine smarte Lampe schickt, die im selben WLAN eingeloggt ist. Die Lampe könnte die Daten als unsichtbares Infrarotlicht auslesen. Draußen könnte jemand mit einem Infrarotsensor die Daten dann empfangen und auslesen. Über Umwege könnte also jemand unsere Nachrichten auf dem Smartphone mitlesen.

"Es ist sicherlich eher etwas, das Spione einsetzen könnten, zum Beispiel, um eine fremde Botschaft auszuspionieren, wo das Netz zwar gut abgeschottet ist, eine solche Lampe aber zum Schlupfloch werden könnte."
Anindya Maiti, Wissenschaftler Universität von Texas

Außerdem hat Anindya noch weiter am sichtbaren Licht experimentiert: Das hat er mit einem speziellen Lichtsensor analysiert. Aber sein Chef, Murtuza Jadliwala, glaubt, dass man vielleicht auch einfach den nehmen könnte, der in viele Smartphones oder Smartwatches eingebaut ist.

"In unserem aktuellen Projekt prüfen wir, ob eine App auf dem Smartphone, das Zugriff auf den Lichtsensor hat, einen ähnlichen Angriff auf unsere Privatsphäre durchführen kann."

Bisher müssen Apps fragen, ob sie auf das Mikrofon oder die Kamera zugreifen dürfen, aber den Lichtsensor dürfen meist alle Apps nutzen, ohne nachzufragen. Das heißt, eine App könnte heimlich das Licht einer smarten Lampe analysieren und ein Profil vom Nutzer oder der Nutzerin erstellen. Es ist schon länger bekannt, dass man aus dem Medienkonsum auf viele persönliche Eigenschaften schließen kann, wie etwa sexuelle Orientierung oder politische Einstellung.

Forscher fordern mehr Sicherheit

Beide Forscher fordern, dass die Hersteller solcher Lampen für mehr Sicherheit sorgen sollten. Zum Beispiel, indem nur bestimmten Geräten im WLAN erlaubt wird, die Lampen zu steuern. Und wenn das mit den Lichtsensoren im Smartphone wirklich funktioniert, dann sollten die Hersteller auch da eine Abfrage einbauen: Darf diese App den Lichtsensor nutzen? Wer sich jetzt große Sorgen um die Sicherheit seiner Daten macht, der oder die sollte entweder keine smarte Lampe kaufen – oder das Handy in die Tasche stecken und vor allem die Vorhänge zuziehen.