Nach dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine haben sich Apple und Samsung aus Russland zurückgezogen. Ihre Smartphones werden dort zur Mangelware. Chinesische Handy-Firmen springen ein, aber Apple und Google lassen sich nicht so einfach umgehen. Und Google könnte sich auch bald zurückziehen.

Bislang ist der Kauf von Smartphones der Hersteller Apple und Samsung in Russland möglich. "Aber es wird zunehmend schwieriger", sagt unser Netzreporter Konstantin Köhler.

Wegen des russischen Angriffskrieges verkaufen Apple und Samsung nur noch ihre Restbestände auf dem russischen Markt – neue Geräte werden nicht mehr nach Russland exportiert. "Und diese beiden Hersteller haben immerhin die Hälfte des russischen Smartphone-Marktes abgedeckt", sagt Konstantin.

Apple und Samsung haben sich zurückgezogen

Das heißt, in wenigen Monaten könnte es von diesen beiden Herstellern keine Geräte mehr in Russland zu kaufen geben. So lautet die Analyse des Bundesnachrichtendienstes, über die Spiegel Online berichtet. Der Bundesnachrichtendienst schreibt, dass es in Russland "nahezu sicher zu einem signifikanten Rückschritt in der Digitalisierung des Alltagslebens" kommen wird.

Andere Smartphone-Hersteller könnten einspringen. Zum Beispiel die chinesischen Unternehmen Xiaomi, Huawei oder Vivo. Laut Analyse des größten russischen Netzanbieters MTS haben sich die Verkäufe dieser Firmen zuletzt teilweise verdreifacht, so Konstantin. Erwähnenswert ist vor allem Huawei: Denn das Unternehmen steht auf der Sanktionsliste der USA. Es steht im Verdacht, für China zu spionieren und Daten abzugreifen.

"Huawei war auf dem Weg, zum Smartphone-Hersteller Nummer eins zu werden. Das Unternehmen ist dann aber auf der US-Sanktionsliste gelandet."
Konstantin Köhler, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Die Sanktionen führten dazu, dass Huawei keine Google-Dienste mehr anbieten konnte, wie zum Beispiel Google Maps. Mit der Folge, dass sich außerhalb Chinas praktisch niemand mehr ein Huawei-Handys kaufte. Bei Huawei aber passte man das Smartphone-Betriebssystem an und schuf Alternativen zu den Google-Diensten, wie zum Beispiel eine Navigations-App als Ersatz für Google Maps. "Und genau das könnte sich jetzt eventuell sogar zum Vorteil von Huawei in Russland entwickeln", sagt Konstantin Köhler.

Google könnte nachziehen

Es ist anzunehmen, dass auch Google auf den russischen Angriffskrieg in der Ukraine reagiert und seine Smartphone-Dienste in Russland reduziert. Vielleicht sogar komplett einstellt. Und darauf ist Huawei bereits vorbereitet, eben weil es aufgrund der Sanktionen Alternativen entwickeln musste.

"Huawei hat in den letzten zwei Jahren einige Alternativen entwickelt. Aus der Not heraus. Denen blieb nichts anderes übrig."
Konstantin Köhler, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Aber es gibt ein paar Haken. Denn Huawei bleibt abhängig von den USA, zum Beispiel was Mikrochips angeht. Wenn die Firma jetzt im großen Stil den russischen Markt versorgen sollte, könnten die USA reagieren und die Lieferung von Mikrochips reduzieren. Die USA könnten auch den Chip-Export aus anderen Ländern nach China durch politischen und/oder wirtschaftlichen Druck verhindern.

Der Smartphone-Markt ist stark globalisiert und vernetzt

Auf dem Smartphone-Markt gibt weitere große Abhängigkeiten. Zum Beispiel, dass es im Grunde lediglich zwei Smartphone-Plattformen gibt. Nämlich Android von Google und iOS von Apple. Verknüpft damit sind der Play Store beziehungsweise der App Store. "Und ohne diese Stores ist ein Smartphone nicht sinnvoll nutzbar", sagt Konstantin. Ein Rückzug aus Russland wird deshalb eben Folgen für den digitalen Alltag der Menschen im Land haben, wie es der Bundesnachrichtendienst voraussagt.

Russland versucht deshalb einen eigenen App Store namens Nashstore zu entwickeln. "Egal, ob der funktionieren wird oder nicht: Das Angebot an Apps und anderer Software für Smartphones wird sehr sicher erst einmal deutlich geringer sein als das beim Google- und beim Apple-Store der Fall ist", sagt Konstantin. Die bestehenden Apps müssen für Nashstore angepasst werden, was Zeit kostet. Und es ist unklar, ob die westlichen App-Entwickler überhaupt mitmachen.