Jagen ist ein unnötiges und brutales Hobby, sagen die einen. Jagen ist notwendige Pflege und praktischer Naturschutz sagen die anderen. Wer hat denn nun Recht in diesem uralten Streit?

Der Biologe und Zoologe Josef Reichholf sieht sich zwischen diesen beiden Positionen. Er kritisiert die Jagd auf der einen Seite, weil sie dafür sorge, dass die Tiere scheu und in die Nachtaktivität gedrängt würden. Dadurch gibt es mehr Wildunfälle, meint er, und wir Menschen werden um die Chance gebracht, die Tiere in der Natur zu erleben.

Jagd macht die Tiere scheu

Außerdem argumentiert Reichholf, dass die Jagd nicht in der Lage ist, Wildbestände zu regulieren. Im Gegenteil: die Zahl der Tiere würde wegen der Jagd zunehmen. Auf der anderen Seite räumt Reichholf aber ein, dass es durchaus Bereiche gibt, wo Jagd notwendig ist. Etwa in den Gebieten, wo Wildschweine so zahlreich werden, - laut Reichholf übrigens verursacht durch den steigenden Maisanbau in Deutschland - dass sie zum Problem für die Landwirtschaft werden. Allerdings, so mahnt er, müssten dringend die Jagdmethoden verändert werden.

"Wenn man Wildbestände tatsächlich regulieren möchte, muss das mit Methoden geschehen, die dafür geeignet sind."
Josef H. Reichholf, Biologe

Die Jäger sehen das naturgemäß anders. Andreas Schneider, Pressesprecher des Landesjagdverbandes Nordrhein-Westfalen wirft Reichholf vor, dass seine Zahlen und seine Argumentation fehlerhaft sei. Wildunfälle zum Beispiel passieren laut ihm überwiegend in der Dämmerung. In dieser Zeit würden die Jäger auch jagen, weil das Wild dann besonders aktiv sei. Das passe nicht zu Reichholfs These.

"Es ist verantwortungslos zu behaupten, die Jagd sei die einzige Ursache beziehungsweise Teil des Problems. Das Gegenteil ist der Fall: Die Jagd ist Teil der Lösung."

Außerdem meint er, dass die Wildbestände sich hierzulande eben nicht mehr von selbst, sondern durch die Jagd regulieren würden. Gemeinsam mit Holger Sticht, dem Landesvorsitzenden des BUND Nordrhein-Westfalen, diskutiert er im Hörsaal hitzig die zentralen Thesen aus Reichholfs Vortrag.

"Wenn man Konflikte mit Land- und Forstwirtschaft vermeiden will, muss man möglichst wenig jagen."

"Jagd reguliert nicht", so hieß der Vortrag, den Josef Reichholf im Oktober 2013 an der Uni Basel gehalten hat. Eingeladen dazu hatte ihn das UsitawiNetwork, ein in der Schweiz gegründetes Netzwerk für Führungskräfte, das die Idee einer nachhaltigen Wirtschaft befördern will. Kontext war die Diskussion darum, ob im Kanton Basel das Jagen komplett verboten werden sollte oder nicht. Letzteres ist bis heute der Fall.

Der Hörsaal knüpft mit seiner Jagd-Sendung an die gestrige Ausgabe von Einhundert an, in der Geschichten vom Jagen und vom Kampf gegen die Jagd erzählt wurden. Die Einhundert-Folge "Waidmann, geil?" gibt es hier online zu hören und hier als Podcast.