US-amerikanische Politiker schaffen die Nähe zu ihren Wählern über die sozialen Netzwerke. Mit Snapchat erreichen sie vor allem die Erstwähler.

Der republikanische Präsidentschaftskandidat Jeb Bush gibt sich gerne als Nerd und nutzt für seinen Wahlkampf intensiv Snapchat. Er sendet beispielsweise Bilder, wie er sich hinter den Kulissen auf Debatten und Wahlkampfauftritte vorbereitet, Videos oder Bilder mit Slogans in der Art eines Wahlkampfplakats oder einfach nur Textbotschaften.

Snapchat besonders interessant

Für die Wahlkampfberater, egal welcher politischen Richtung, ist Snapchat deshalb so interessant, weil sie über das soziale Netzwerk direkt Erstwähler erreichen können:

  • 71 Prozent der User sind zwischen 18 und 34 Jahre alt
  • 45 Prozent gehören zur Altersgruppe zwischen 18 und 24 Jahre
  • Facebook-User sind älter: 16 Prozent der User sind zwischen 18 und 24 Jahre alt

Die Berater empfehlen den Kandidaten, wo sie aktiv sein sollten. Tweets, Post und Videos werden aber hauptsächlich von Medienprofis für die Zielgruppe aufbereitet: "Sonst snapchattet Oma Clinton, und ich glaube nicht, dass das einen Erstwähler anspricht", sagt unser Reporter Wolfgang Stuflesser.

Die Authentizität bei Snapchat ist nicht so ausschlaggebend wie etwa bei Instagram. Dagegen seien kleine Spielereien wie Filter, die als Gag eingesetzt werden, beliebt. Beispielsweise gibt es eine Baseballkappe, die man seinem Selfie aufsetzen kann, auf der "Deport Trump" steht. Oder es werden Textzeilen verschickt, die man über jede Nachricht oder jedes Foto legen kann: "Diese Nachricht wird verschwinden, ebenso wie Hillarys E-Mails."

"Solche Gags sind bei Snapchat viel wichtiger, als dass es super authentisch ist."
Wolfgang Stuflesser, DRadio Wissen

Twitter und Facebook sind nach wie vor Hauptmedien im Wahlkampf wegen ihres Rückkanals an die Kandidaten. Instagram wird ebenfalls genutzt, weil die Nutzergruppe jünger als bei Facebook ist und sich die Fotos schnell konsumieren lassen, allerdings nicht wie bei Snapchat verschwinden. LinkedIn taucht ebenfalls im Portfolio auf, weil dort auch längere Artikel gepostet werden können. Selbst Pinterest als Foto-Pinnwand wird eingesetzt, weil sich auch dort Wahlkampf-Fotos gut verbreiten lassen.

"Ich habe das Gefühl, die deutschen Politiker müssen erst einmal anfangen, Twitter und Facebook richtig zu nutzen. Das tun schon ein paar, aber längst nicht alle."
Wolfgang Stuflesser, DRadio Wissen

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