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Kunstleder oder tierisches Leder? Beim Kauf neuer Sneaker ist das für viele eine wichtige Frage. Aber wer sich lieber für Kunstleder entscheidet, setzt damit meist auf Kunststoff. Der erste Turnschuh aus Pilzgeflecht könnte eine nachhaltige Alternative sein.

Gleich vorweg: Die Schuhe haben nichts mit den Pilzen zu tun, die in der Pfanne und dann auf unserem Teller landen. Die Sneaker werden aus einem Myzel hergestellt – dem eigentlichen Pilz. Der wächst unter der Erde und besteht aus einem Geflecht feiner, wurzelähnlicher Fäden, dem Myzel. Je nach Pilz kann das Myzel mehrere Quadratkilometer groß sein. Was wir üblicherweise als Pilz bezeichnen, sind die sichtbaren Fruchtkörper über der Erde.

Für die Schuhe wird aber nicht der Waldboden durchpflügt. Stattdessen wachsen Myzelzellen im Labor und zwar auf kleinem Raum. Das Myzel kann sich in Regalen übereinander entwickeln.

Vegan und nachhaltig: Turnschuhe aus Pilzgeflecht

Sobald das Myzel groß genug ist, wird es verarbeitet und gefärbt. Das fertige Pilzleder ähnelt optisch stark dem tierischem Leder, so Anke van de Weyer. "Man würde erst einmal keinen Unterschied erkennen." Aber richtig ausprobieren und anfassen konnte Anke den neuen "Pilzschuh" noch nicht. Wann er in den Handel kommt, ist noch unklar. Aber er soll nicht teurer sein als die "herkömmlichen" Modelle.

"Die Alternativen zu konventionellem Leder werden immer besser. Nicht nur optisch."
Anke van de Weyer, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Die Myzel-Variante ist aber nicht die erste Alternative zu tierischem Leder oder zu Kunstleder. Seit einigen Jahren wird zum Beispiel Leder aus Ananas genutzt. Dieses Material wird aus den Fasern der Ananasblätter hergestellt, die sonst im Müll landen. Indem Abfälle genutzt werden, braucht es für das Leder aus Ananas keine zusätzlichen Ressourcen, so Anke.

"Für die Herstellung von Ananasleder muss keine zusätzliche Landwirtschaft betrieben werden."
Anke van de Weyer, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Aus dem Leder lassen sich nicht nur Turnschuhe produzieren, auch Handtaschen oder Portemonnaies. "Das Leder hält sehr viel aus", sagt Anke. "Es erinnert von der Oberfläche her ein bisschen an Elefantenhaut." Eine glattere Oberfläche lässt sich mit Apfelleder herstellen. "Das besteht zur Hälfte aus Apfelresten, die geschreddert werden. Und zur anderen Hälfte aber auch aus Polyurethan, also wieder Kunststoff", erklärt Anke

Auch Kork ist schon lange eine Alternative

Als nachhaltig gilt Kork, der aus der Rinde der Kork-Eiche hergestellt wird. Der Baum kann etwa alle neun Jahre geschält werden. Dabei wird die Eiche nicht beschädigt. Die äußere Kork-Schicht wird dann weiterverarbeitet.

Doch bei diesem Leder erkennt man optisch, dass es sich um Kork handelt. Veganes Leder gibt es aber noch aus Weintrauben, Kakteen oder aus den Blättern des Teakbaums.