Wenige Überreste und ziemlich viele Spuren: Was gibt eine Leiche preis, die seit Jahren im Eis der Alpen lag? Darüber haben wir mit dem Forensiker und Kriminalbiologe Mark Benecke gesprochen.

Reste von einem Pullover, Skier, eine verbogene Brille und ein Gebiss mit Goldfüllungen: Mit diesen Fundstücken versucht die italienische Polizei, den Tod eines Skifahrers in den Alpen aufzuklären. Die Überreste haben vermutlich schon seit Jahrzehnten im Gletschereis des Aostatals gelegen und sind vor 13 Jahren gefunden worden. Jetzt versucht die Polizei mit einem neuen Anlauf, den Toten zu identifizieren.

Mark Benecke ist Forensiker und Kriminalbiologe. Er hat uns erzählt, welchen Spuren die Ermittler folgen können, um den Tod des Sportlers in der Nähe des Matterhorns aufzuklären.

Gold als Anhaltspunkt

Das Gebiss des Toten weist Goldfüllungen auf. Damit kann man eventuell klarer die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Schicht klären – also wie vermögend die unidentifizierte Person war. Die Analyse des für die Füllungen verwendeten Goldes wäre allerdings sehr aufwendig. Auch die Verarbeitungstechnik kann den Ermittlern Aufschlüsse über die Herkunft des unbekannten Sportlers geben.

"Man kann die Zähne einfach aufbohren und die Erbsubstanz rausholen und in einer Datenbank gucken, ob es einen Verwandten gibt."
Mark Benecke, Forensiker und Kriminalbiologe

Außerdem kann man aus den Zähnen die DNA herauslösen und mit Datenbanken abgleichen und so eventuell Verwandte und Herkunft herausfinden. Mit der DNA lässt sich mit Leichtigkeit das Geschlecht bestimmen und der ethnische Hintergrund. Im Fall des Skifahrers ist bereits bekannt, dass es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um einen Mann handelt.

Wachsende DNA-Datenbanken

Da immer mehr Menschen ihre DNA aus freien Stücken in Datenbanken einstellen, können DNA-Spuren mit zunehmender Trefferwahrscheinlichkeit ausgewertet werden. Bevor aber die DNA untersucht wird, werden die Ermittler sich bei Zahnmedizinern umgehört haben. Das ist aber bei Touristen, wie im Fall des Skifahrers, nur schwer möglich, weil seine genaue Herkunft unklar ist.

Auch der Pullover des Toten kann möglicherweise DNA-Spuren aufweisen. Das Erbgut hält sich auch, wenn es eingefroren ist und auch, wenn man es in Wasser kocht. Man kann in diesem Fall allerdings mit fast allen Methoden an den Fall herangehen: mit DNA-Analyse, mit klassischer Spurenkunde, mit Faseranalyse, mit Kriminalistik– mit besseren Erfolgsaussichten bei den herkömmlichen Methoden ohne die Spuren des Erbguts.

"Klassische Kriminalistik könnte vielleicht schneller helfen: Wann wurde der Pulli wo verkauft und hergestellt? Wann wurden diese Skier verkauft?"
Mark Benecke, Forensiker und Kriminalbiologe

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