Mit der Nusspraline ins Leistungstief: Eigentlich sind Haselnüsse und Haselnusspollen ungefährlich – Nussallergiker werfen sie jedoch völlig aus der Bahn. Ein Allergologe erklärt, wie das funktioniert.

Bei einer Allergie reagiert das Immunsystem fehlerhaft auf eigentlich ungefährliche Stoffe, wie Pollen oder bestimmte Lebensmittel, und erkennt in ihnen eine Gefahr. Eine Allergie ist  also zunächst einmal ein Hinweis, dass die betroffenen Menschen ein starkes, kräftiges Immunsystem haben. Krank fühlen sie sich dann allerdings trotzdem.

Gerade hat es den Skirennfahrer Felix Neureuther erwischt. Er hat eine Nussallergie entwickelt und erklärt so sein Formtief im Jahr 2018. Torsten Zuberbier untersucht an der Charité in Berlin Allergien beim Menschen und ihre Folgen. Er sagt, eine Allergie könne sich in jedem Lebensalter entwickeln. Ob das passiert, kann man in der Regel nicht auf Grund der Krankheitsgeschichte vorhersagen.

Allergie als Berufsrisiko

Als wichtigsten Faktor nennt er die Intensität des Kontakts mit Allergenen. Wenn Menschen im Beruf besonders häufig mit bestimmten Stoffen in Kontakt kommen, erhöhe dies das Allergierisiko. Der Allergologe nennt als Beispiel für besonders gefährdete Berufsgruppen Floristen und Frisöre. Ein bekanntes Beispiel ist die Weizenallergie, die bei Bäckern besonders häufig auftritt.

Torsten Zuberbier unterscheidet zwischen Kreuzallergien und klassischen Sofortallergien. Sofortallergien sind zum Beispiel Heuschnupfen und bestimmte Nahrungsmittelallergien. Diese Allergiegruppe tritt in den meisten Fällen bereits im Jugendalter auf. Bis zu 40 Prozent der deutschen Bevölkerung seien in dieser Zeit Allergiker. Die Zahl der Personen, die erst in hohem Alter eine Allergie entwickelt, nehme aber zu.

"Wir haben immer mehr Fälle, bei denen mit 70, mit 80 Jahren erstmals eine Allergie auftritt."

Die gute Nachricht ist, dass Allergien auch im Lauf des Lebens wieder verschwinden können. Das Immunsystem sei lernfähig, sagt Torsten Zuberbier. Die Hyposensibilisierung kann der Immunabwehr beibringen, auf ungefährliche Stoffe nicht zu reagieren.

Pollenflug in der Winterzeit

Der Allergologe unterscheidet auch zwischen Haselnuss- und der Haselnusspollenallergie. Bei der Pollenallergie sind die Symptome eine laufende Nase, Juckreiz der Augen und eine verstopfte Nase. Diese Beschwerden können auch bereits um die Weihnachtszeit auftreten, sobald die Haselpollen fliegen. Pollenflugvorhersagen sind dabei nur begrenzt hilfreich, körperliche Nähe zu einem Haselbusch kann ausreichen.

"Wenn man zum Beispiel unter einem Haselbaum steht, ist schon Allergen in der Luft."

Zu der Haselnusspollenallergie kann dann als Kreuzallergie eine allergische Reaktion auf die Haselnuss als Nahrungsmittel hinzukommen. Dabei steckt das Immunsystem die Haselnussstückchen im Mund in die gleiche Kategorie wie die Pollen und setzt eine allergische Reaktion in Gang. 

Bei der Haselnuss ist das häufig ein Kribbeln auf der Zunge, Juckreiz an den Lippen oder ein Anschwellen der Mundschleimhaut. Stärkere Beschwerden können Magenprobleme, Abgeschlagenheit und ein Gefühl von unzureichender Fitness sein. Torsten Zuberbier empfiehlt, auch bei den kleineren Anzeichen eine ärztliche Diagnose einzuholen. 

Auch der Skifahrer Felix Neureuther ist letztlich durch seinen Teamarzt auf den Grund für seine Beschwerden gekommen.

"Ganz wichtig ist auch nur leichtes Nasekribbeln, leichtes Augenbrennen in der Pollenflugzeit, ernst zu nehmen und nicht undiagnostiziert laufen zu lassen – es wird dann einfach schlimmer."

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