Um Virtual-Reality-Chaträume ist es in letzter Zeit etwas stiller geworden. Dann kam die Coronavirus-Krise und seitdem sind Bars oder Kinos mit Social-Distancing-Funktion beliebter denn je – mit scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten.

Jeden Tag spielen derzeit bis zu 15.000 Menschen zur selben Zeit in unterschiedlichen VR-Chaträumen: Virtual-Reality-Brille auf und schon schwebt man als Superheldin in einem Action-Game durchs All, sitzt mit seinem persönlichen Avatar in einem Businessmeeting oder schlendert als Gentleman durch eine Bar.

Deutschlandfunk-Nova-Reporter Thomas Ruscher hat sich in den digitalen Chaträumen mehrerer Anbieter umgesehen. Für ihn war es "ein bisschen wie Urlaub oder wie, wenn man in einer Bar Fremde kennenlernt".

Karaoke in einer virtuellen Bar

Dabei besuchte Thomas Ruscher in VR Chat unter anderem einen Karaokebar-Chatraum, den ein Paar eigentlich für sich persönlich gebaut hatte und ihn dann aber für die Öffentlichkeit freigeschaltet hat.

Nach einer Weile gab es einen wirren, schiefen Chor aus Stimmen und ein Paar, das sich darüber stritt, was passiere, wenn man seinen Karaoke-Raum auf öffentlich stelle. Denn innerhalb kürzester Zeit wurde der Chatraum gefüllt. Digitale Zweisamkeit geht anders.

Digitaler Smalltalk

In anderen Chaträumen wie zum Beispiel einer stylischen Bar konnte Thomas Ruscher die Gespräche von anderen Chat-Usern belauschen und wurde auch des Öfteren selbst in einen spontanen, virtuellen, englischen Smalltalk verwickelt. Wer kein Problem hat, ein spontanes Gespräch auf Englisch zu starten, bleibt in den Chaträumen von VR Chat nie alleine, resümiert Thomas Ruscher.

"Wer kein Problem hat, spontan in Gespräche auf Englisch einzusteigen, kommt da sehr gut zurecht. Irgendwen trifft man immer in der virtuellen Realität und langweilig, weil keine Leute da sind, wird es nicht."
Thomas Ruscher, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Social Virtual Reality ist derzeit noch hauptsächlich in einer Nische von VR-Enthusiasten erfolgreich, sagt Thomas Ruscher. Große Techkonzerne glauben fest daran, dass Virtual Reality das nächste große Ding sein wird und arbeiten deshalb bereits an ihrer eigenen Social-VR-Plattform oder betreiben bereits eine, wie zum Beispiel Microsoft und Facebook.

Bei Microsoft und Facebook soll alles möglich sein

Von Microsoft gibt es bereits die Plattform Altspace-VR. Hier kann man entweder an fertig erstellten Events wie einer Date Night oder einem Meditationskurs teilnehmen oder sich eine eigene Welt bauen. Ein Hamburger Verein, der sich mit Virtual- und Augmented Reality beschäftigt, hat sich seinen eigenen Meetingraum gebaut, um sich trotz Corona-Virus-Krise zu vernetzen.

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Auch Facebook arbeitet derzeit an der Beta-Version ihrer VR-Plattform Facebook Horizon. Der Look dieser Welt ist zwar etwas kindlicher und familienfreundlicher, scheint für Thomas Ruscher aber auch deutlich organisierter zu sein als die Chaträume von VR Chat.

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In den Räumen von Facebook Horizon soll man nicht nur spielen, sondern auch arbeiten und Workshops oder VR-Stand-Up-Comedy-Abende besuchen können.

Spezialisiertere Chaträume

Andere Social-VR-Softwares konzentrieren sich dagegen auf ein spezialisierteres Angebot und bieten beispielsweise nur Business-Meetings in Virtual Reality an, um die Kommunikation im Home Office zu erleichtern.

"Es gibt aber auch Social-VR-Software, die sehr viel spezialisierter sind und versuchen, genau eine Sache gut zu machen."
Thomas Ruscher, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Die Firma Bigscreen VR hat sich auf ein virtuelles Kinokonzept konzentriert, bei dem jede Woche neue Filme gezeigt werden und man in einem virtuellen Kinosaal für fünf Euro einen Film anschauen kann.

Der Spaß beginnt mit der VR-Brille

Für VR Chat oder Altspace VR von Microsoft braucht man nicht zwingend eine VR-Brille, man kann sie auch einfach so am Computer starten und wie in einem normalen Actionspiel durch die einzelnen Chaträume laufen.

Für Thomas Ruscher geht dabei jedoch die Faszination der virtuellen Chaträume verloren. Wer also wirklich in diese andere Welt einsteigen will, sollte davor in eine, meist nicht ganz billige, VR-Brille investiert haben.