Seinem Idol persönlich schreiben. Oder exklusive Videos bekommen, die eben nicht jeder sehen kann. Das ist das Geschäftsmodell der Social-Media-Plattform Onlyfans. Doch einige Onlyfans-Stars haben offenbar Ghostwriter, die auf private Nachrichten antworten, zeigt jetzt eine Recherche.

Auf Onlyfans tummeln sich zum Beispiel Reality-TV-Promis, Pornostars, Influencerinnen oder Musiker. Ihr Versprechen: Wir sind ganz für unsere Fans da. Und schreiben ihnen auch persönlich.

Geschäftsmodell: Erotik gegen Geld

Etwa zwei Millionen Content-Schaffende und rund 180 Millionen registrierte Nutzerinnen und Nutzer hat die Plattform. Der größte Teil der Inhalte auf Onlyfans ist nicht frei zugänglich. Interessierte werden mit dem Versprechen von besonderen Einblicken in das Leben von Stars geködert, häufig auch mit erotischen Videos oder Fotos.

Dafür müssen dann aber Monatsabos abgeschlossen werden. Im Schnitt kosten die zwischen fünf und 15 Euro im Monat, berichtet Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter Andreas Noll. Promis nehmen aber deutlich mehr Geld: Der einstige Dschungelcamper Bastian Yotta verlangt für seinen Kanal zum Beispiel 19,99 US-Dollar und Schlagersänger Michael Wendler sogar 35 Euro im Monat.

"Statt der Promis sorgen bei Onlyfans teilweise Social-Media-Agenturen für den Content – und das, ohne dass das für die Fans ersichtlich wäre."
Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Recherchen des Business-Insider zeigen jetzt: Statt der Promis sorgen teilweise Social-Media-Agenturen für den Content – und das, ohne dass das für die Fans ersichtlich wäre.

Die Zahl der Managementfirmen, die nicht nur die entsprechenden Kanäle der Content-Schaffenden betreuen, sondern auch die Kommunikation mit den Abonnenten übernehmen, steigt. Es geht unter anderem um kostenpflichtige Nachrichten, die man mit dem Promi austauscht bzw. glaubt, mit dem Promi auszutauschen.

Klagen wegen Betrug

Zwei ehemalige Angestellte einer besonders erfolgreichen kalifornischen Agentur, die unter anderem Insta-Größen wie Charly Jordan vertritt, haben ihren Ex-Arbeitgeber inzwischen verklagt. Die Angestellten berichten darüber, dass Fans in den Unterhaltungen ihre "tiefsten persönlichen Geheimnisse und sexuelle Fantasien" preisgeben würden, weil sie eben davon ausgehen, dass sie gerade der von ihnen verehrten Prominenten schreiben.

Das Unternehmen wiederum verteidigt sich: Die Vorwürfe seien "weit gefasst" und man freue sich auf die gerichtliche Auseinandersetzung.

Das Logo der Plattform Onlyfans auf einem Handydisplay
© IMAGO | NurPhoto
Das Logo der Plattform Onlyfans

Erfolgreich in der Pandemie

Onlyfans gibt es schon seit November 2016. Richtig erfolgreich wurde die Plattform aber erst in der Corona-Pandemie. Das hängt auch damit zusammen, dass vor allem Sex-Arbeiterinnen alternative Einnahmequellen gesucht haben in Zeiten der Kontaktbeschränkungen.

Onlyfans behält 20 Prozent der Gebühren ein, die die Abonnenten bezahlen. 80 Prozent werden an die Content-Schaffenden ausgeschüttet. 2020 setzte die Plattform nach eigenen Angaben rund zwei Milliarden US-Dollar um.

Kritik wegen mangelnder Kontrollen

Auch wegen mangelnder bzw. fehlerhafter Alterskontrolle steht Onlyfans immer wieder in der Kritik. Die Fehler hatten dazu geführt, dass auch illegaler Content von Minderjährigen auf der Plattform gelandet war.

Auf Druck von Kreditkartenunternehmen hat Onlyfans dann im Sommer 2021 einen Porno-Bann verkündet – um ihn dann kurze Zeit später wieder zurückzunehmen. Zuletzt war die Plattform aber bemüht, die Accounts von Promis, Sportlern oder auch Künstlern in den öffentlichkeitswirksamen Vordergrund zu rücken, berichtet Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter Andreas Noll. Der Großteil des Contents stammt aber weiterhin von professionellen oder Amateur-Pornodarstellerinnen und -darstellern.

"Erstmals übernimmt eine Frau die Leitung der Plattform Onlyfans."
Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Ob es bei dieser Ausrichtung bleibt, wird man abwarten müssen, denn gerade wurde ein Führungswechsel öffentlich. Erstmals übernimmt eine Frau das in London ansässige Unternehmen.