Menschen holen ihre Infos im Netz. Im Netz klicken sie vor allem auf Facebook. Facebook will mehr Videos anbieten. Videos sind Fernsehen. Fernsehen macht dumm. Wegen Facebook sind wir bald alle Analphabeten. Alles klar?

Es ist keine Überraschung, dass das Netz entweder doof, einsam oder Soziopathen aus uns macht. Darum ist die These von Hossein Derakhshan keine große Überraschung, wenn er behauptet: Facebook macht uns zu Analphabeten. Weil es dort zu viele Videos gebe - das mache aus dem Netz ein oberflächliches Fernsehmedium.

Hossein Derakhshan ist der Vater der iranischen Blogger- und Podcastbewegung. Wegen seiner politischen Texte saß er von 2008 bis 2014 in einem iranischen Gefängnis. Er ist also ein Mann, der zum einen ein großer Freund des geschriebenen Wortes ist, und zum anderen ein Mann, der sich durchaus mit dem Netz angefreundet hat.

Text zählt wenig, Video ist alles

2008, als Derakhshan in den Knast kam, waren Blogger noch die Könige im Netz. Er selbst hatte damals 20.000 Leser pro Tag - auf Facebook werden seine Texte nicht geklickt. Heute spielen die Blogger eine kleinere Rolle.

"In fünf Jahren, so die Prognose eines hochrangigen Facebook-Vertreters, wird der Stream komplett aus Videobeiträgen bestehen."
Andreas Noll, DRadio Wissen

Youtuber sind die neuen Stars im Netz - Gronkh, Bibi, die Lochis, Dagibeee oder LeFloid haben ein Millionenpublikum. Videos im Netz werden wichtiger, auch Facebook will seine User mit Filmen halten. "Nun wäre es zu einfach zu sagen 'Videokonsum bedeutet Verdummung'", sagt DRadio-Wissen-Reporter Andreas Noll. "Aber eine kluge politische Debatte mit Hilfe von Videos zu führen oder zu starten ist sicher deutlich schwieriger, als wenn man in Textbeiträgen Argumente austauscht."

"Youtube macht dumm oder seine User zu Analphabeten", das ist eine steile These. Hossein Derakhshan argumentiert: Videos führen zu vereinfachten, emotionalen Diskursen in der Politik - und so zu mehr Demagogie auf der Welt.