Ihr kennt die nervigen Klickköder auf Facebook und Co.: "Ihr werdet nie glauben, was ihr nach dem Klick lesen werdet." Focus Online hat sich gerade mit übler Polemik an die Spitze der Klick-Charts geschoben. Als Rezept für Social Media funktioniert das super, der Journalismus hat da allerdings das Nachsehen.

Wenn ihr euch durch eure Timeline scrollt, entdeckt ihr immer wieder die üblichen Verdächtigen: Artikel von Bild, dem Focus, dem Postillon, Buzzfeed und so weiter. Das sind die Medien, die in der Social-Media-Reichweite an der Spitze stehen:

  1. Bild.de
  2. Focus Online
  3. Spiegel Online
  4. Heftig.co

Das sind fast keine großen Überraschungen bei. Nur: Focus hat einen großen Sprung von Platz 7 auf Platz 2 gemacht. Das Erfolgsrezept bei Focus heißt: Polemik. Zum Beispiel: "Unglaublich: DAS bekommt jeder Flüchtling monatlich!"


"Bei Focus Online erkennt man schnell eine Strategie: Artikel veröffentlichen mit dem Thema Flüchtlinge. Und das, ich sag mal so, eher vorurteilsbehaftet."
DRadio-Wissen-Reporter Konstantin Zurawski über den Erfolg von Focus Online

Der Netzdienst 10.000 Flies analysiert die Social-Media-Reichweite und bestätigt, dass Focus Online ganz groß auf das Flüchtlingsthema aufgesprungen ist: "18 der 20 erfolgreichsten Focus-Online-Artikel hatten im Oktober mit der Flüchtlingskrise zu tun - und fast alle waren populistisch und machten Stimmung in eine bestimmte Richtung", schreibt der Gründer Jens Schröder im Medienmagazin Meedia.

Klicken um jeden Preis

In eine ähnliche Richtung gehen Texte wie "Wow, eine bemerkenswerte Reaktion! ... oder trügt der Schein?" oder "Es sollte der schönste Tag in ihrem Leben werden. Als sie aber kurz vor der Hochzeit sitzen gelassen wird, reagiert diese Braut einmalig!" Dafür gibt es schon einen Fachbegriff: Clickbaiting, also Klickköder. "Das sagt dann aber nichts über journalistische Qualität aus", sagt DRadio-Wissen-Reporter Konstantin Zurawski. Wichtig sind andere Kriterien: "Die User sollen klicken, um jeden Preis."