Ein US-Forscherteam hat die Insta-Posts von Top-Celebrities daraufhin ausgewertet, welche Speisen und Getränke bei ihnen im Bild sind – gesunde oder ungesunde. Ergebnis: Die Promis geben sich nicht gerade ernährungsbewusst. Vorbildliches ist wenig zu sehen.

Ob die Celebrities bei Instagram einigermaßen authentisch rüberkommen oder sich in ihrer Rolle inszenieren, die sie gerne spielen wollen oder sollen, ist eine andere Frage. Wissenschaftlich akribisch auswerten lassen sich ihre Posts auf jeden Fall. Und US-Forschende des Department of Psychology der Stanford University und der Booth School of Business der University of Chicago haben es in ihrer Studie getan.

"Das Ergebnis war desaströs: Mehr als 87 Prozent der ausgewerteten Celebrities zeigten in ihren Posts ein aus ernährungswissenschaftlicher Sicht ungesundes Profil."
Michael Gessat, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Insgesamt gab es nur neun Celebrities, die einen gesunden Ernährungs-Score erreicht haben. Die große Mehrheit der untersuchten Promis – 87 Prozent – ernährte sich in ihren Bildern und Stories bei Insta sehr ungesund. Bei vielen war das sogar derart krass, dass die gezeigten Speisen und Getränke in Großbritannien gegen die Vorschriften für an Jugendliche gerichtete Werbung verstoßen würden, berichtet Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter Michael Gessat.

Einfluss auf 5,7 Milliarden Follower*innen

Die Forscherinnen und Forscher haben zunächst die Top 200 der Film- und Fernsehstars, Musiker und Sportlerinnen rausgesucht. Ihre Recherche basierte auf dem Stand des Jahres 2018. Nach Abzug der Menschen, die gar keinen verifizierten Instagram-Account hatten, blieben noch 181 Promis übrig – mit insgesamt 5,7 Milliarden Follower*innen.

fokussiert haben die Forschenden auf Fotos – Videos haben sie ausgeklammert, da nicht klar war, ob die von den Followerinnen und Followern auch bis zum Schluss angeschaut wurden.

Donuts zählen

Und dann wurde gezählt: Burger, Donuts, Schokolade, Fleisch, Pizza, Gemüse, Salat, Wasser, Kaffee, Saft, Bier, Wein, Cocktails… Die recherchierten Speisen und Getränke wurden zuerst identifiziert und dann, wie bei einer Lebensmittelampel, nach ihrer Werthaltigkeit klassifiziert: Was ist ihr Nährwert? Wie viele gesättigte und ungesättigte Fettsäuren sind enthalten? Und so weiter.

"Frauen haben etwas mehr Zeug mit viel Zucker gepostet, Männer mit etwas mehr Alkohol."
Michael Gessat, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Die weiblichen Promis hatten ein bisschen beim Zucker die Nase vorn, die männlichen beim Alkohol. Bei den Getränken haben die Musikerinnen und Musiker deutlich häufiger zu ungesunden Produkten gegriffen als die anderen Berufsgruppen, so die Studie.

Ein realistisches Bild?

Von den 3.065 untersuchten Postings waren nur 147 als Werbung oder Promotion gekennzeichnet. Die Forschenden folgern daraus, dass die Ergebnisse offenbar ein relativ realistisches, ungeschöntes Bild widerspiegeln. Anders als Influencerinnen und Influencer verfolgen Promis offenbar keine bewusste Produkt-Agenda, die ja dann auch zum Beispiel in Richtung "Ich lebe gesundheitsbewusst" ausgerichtet sein könnte.

"Anders als Influencerinnen und Influencer verfolgen Promis offenbar keine bewusste Produkt-Agenda."
Michael Gessat, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Gleichzeitig sind Celebrities natürlich auch Influencer, betonen die Autorinnen und Autoren der Studie mit kritischem Unterton. Die Stars definieren bei Social Media die Maßstäbe, was als gesellschaftlich vorbildhaftes oder normales Verhalten angesehen wird.

Unser Netzreporter zweifelt aber auch an der Aussagekraft der Studie. Ein Foto, bei dem es Promis mit Freunden krachen lassen und sich Schampus gönnen, sei verständlicherweise glamouröser, als vor der Kamera ein Salatblatt ohne Dressing zu verzehren und dazu ein Glas Wasser zu trinken. Ob die Postings also tatsächlich repräsentativ für das Ernährungsverhalten der Promis sind, ist also die große Frage.

Was die Forschenden aber auf jeden Fall auch rausgefunden haben: Die Follower*innen liken laut der Studie häufiger Postings mit ungesunden Inhalten als mit gesunden.