Die Anzeichen verdichten sich, dass der Ex-US-Präsident und Präsidentschaftsbewerber Donald Trump für 2024 vor seinem Social-Media-Comeback steht. Der Stimmungswechsel kommt offenbar zum einen von ihm selbst, aber auch von den Plattformen.

Twitter hat – bereits im November – den Anfang gemacht. Nach der Übernahme durch Elon Musk wurde Donald Trumps Sperre aufgehoben. Der Account ist also wieder sichtbar, samt aller Tweets des Ex-Präsidenten. Sein letzter Tweet stammt vom 8. Januar 2021 – danach war der Republikaner bei Twitter gesperrt worden.

"Der letzte Trump-Tweet datiert vom 8. Januar 2021, zwei Tage nach der Erstürmung des Kapitols."
Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Trumps alte Posts werden immer noch fleißig geliked und geretweetet: Beim bislang vorletzten Trump-Tweet zum Beispiel, in dem er sich bei seinen 75 Millionen Wähler*innen bedankt, steigt fast sekündlich die Zahl der Likes und Retweets. Ebenso beim Tweet, in dem er angekündigt hatte, nicht zur Amtseinführung von Joe Biden zu gehen. 87,7 Millionen Follower*innen hat Trump bei Twitter. Mit neuem Content versorgt wurden sie bisher jedoch noch nicht. Der Ex-Präsident hat sein ehemaliges Sprachrohr bislang ignoriert.

Trump bald auf Facebook zurück?

Über seine Facebook-Präsenz kann Donald Trump noch nicht wieder verfügen. Eine Entscheidung über die Freigabe war eigentlich für den 7. Januar anvisiert, doch dann hat das Ganze doch noch länger gedauert. Beim Weltwirtschaftsforum in Davos hat Meta-Cheflobbyist Nick Clegg jetzt allerdings angedeutet, dass Trump möglicherweise auch auf Facebook bald wieder auftauchen könnte.

"Bald wird bekanntgegeben, dass Trump auf Facebook zurückkehren kann, hat Meta-Cheflobbyist Nick Clegg in Davos durchblicken lassen."
Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter

Am Dienstag (17.01.2023) hatte Trumps Anwalt Meta-Chef Zuckerberg formell aufgefordert, das Konto bei Facebook zu entsperren. Die Sperrung verzerre radikal die öffentliche Debatte und schränke sie ein. Es gehe um einen "echten Dialog" und nicht darum, einen Präsidentschaftskandidaten zum Schweigen zu bringen.

Die offizielle Stellungnahme von Meta steht noch aus. Eine Arbeitsgruppe mit Angestellten aus den Teams für Öffentliche Ordnung, Kommunikation und Inhaltspolitik diskutiert das Thema. Der Zeitpunkt für die jetzt anstehende Entscheidung ist insofern nicht überraschend, weil Trumps Facebook- und Insta-Sperre nach dem Sturm auf das Kapitol für zwei Jahre ausgesprochen worden war. Und diese Frist ist jetzt vorbei.

Facebook will kontroverse Diskussionen zulassen

Doch hat sich an den Gründen für die Sperre überhaupt etwas geändert? Viele Beobachter*innen und Expert*innen sagen: Nein. Donald Trump hat via Social Media zur Radikalisierung der Massen beigetragen – und er könnte das in Zukunft wieder tun. Meta-Cheflobbyist Nick Clegg hat aber in Davos deutlich gemacht, man sei bei Facebook mittlerweile der Meinung, kontroverse Diskussionen zulassen zu müssen. Heißt: Facebook will bzw. muss Trump auf der Plattform aushalten.

Ein weiterer Punkt: Facebook dürfte kein Interesse daran haben, als Erfüllungsgehilfe der Demokratischen Partei abgestempelt zu werden. Die Demokraten hatten immer wieder eine Verlängerung der Trump-Sperre gefordert. Die Frage, wieviel Macht über den öffentlichen Diskurs den Plattform-Chefs überlassen werden soll, ist durchaus eine legitime Frage, findet unser Netzreporter. Spätestens aus den Enthüllungen durch die Twitter-Files sei bekannt, wie sehr der Druck aus der Politik und von staatlichen Stellen auf die Plattformen erhöht wurde, bestimmte Accounts und Meinungen zu verbannen.

Ob Trump Twitter und Facebook braucht

Donald Trump will im Jahr 2024 erneut US-Präsident werden. Auf seiner eigenen Plattform Truth Social hat er lediglich rund 4,6 Millionen Follower*innen – und damit eine sehr viel geringere Reichweite als bei Facebook, Insta oder Twitter. Außerdem gab es immer mal wieder Berichte über technische und finanzielle Schwierigkeiten von Truth Social.

"Sie [Facebook und Instagram, Anm.d.Red.] brauchen uns mehr, als wir sie brauchen."
Donald Trump, Ex-Präsident der USA, bei Fox News

Gegenüber Fox News hat Trump jetzt gesagt, seine Wahlkampforganisation verhandele derzeit über eine Rückkehr auf Facebook und Insta. "Wir sprechen mit ihnen, und wir werden sehen, wie das Ganze ausgeht", wird er zitiert, "Wenn sie uns zurücknehmen, würde ihnen das sehr helfen, und das ist für mich in Ordnung. Aber sie brauchen uns mehr, als wir sie brauchen."

Und NBC News zitiert anonym zwei Trump-Vertraute, die demnach behaupten, Trump suche seit Wochen nach Input für Tweets und sein Wahlkampfteam hätte auch bereits erste Ideen. Demnach ist das Comeback auf Twitter also wohl nur eine Frage der Zeit – und bei Facebook eine Frage der Beendigung der Sperre.

  • Moderation:  Diane Hielscher
  • Gesprächspartner:  Andreas Noll, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporter