Was passierte genau, als vor rund 14 Milliarden Jahren Materie, Raum und Zeit entstanden sind? Forscher versuchen mit aufwendigen Experimenten, eine schlüssige Theorie aufzustellen. Der entscheidende Moment liegt noch immer im Dunkeln.

Um herauszufinden, woher wir kommen, woher unser Universum stammt, fahren Wissenschaftler schwere Geschütze auf. Sie blicken mit Hochleistungsteleskopen in die Vergangenheit, schleudern mit wahnwitzigen Geschwindigkeiten kleine Teilchen aufeinander, basteln an komplexen mathematischen Formeln.

"Wenn ich mit dem Standardmodell der Teilchenphysik so richtig Gas geben will, wenn ich Prozesse bei ganz hohen Energien beschreiben will, dann bekomme ich absoluten Unsinn raus."
Robert Harlander, Teilchenphysiker

Mittlerweile haben wir auf diese Weise schon eine Menge über die Entstehung des Universums herausgefunden: Wir wissen, dass es vor etwa 13,7 Milliarden Jahren entstanden ist, sich seither ausdehnt und kühler wird. Aber das letzte Puzzleteil fehlt: Die uns bekannte Physik kann schlicht nicht erklären, was ganz am Anfang passiert ist, am Punkt des Urknalls selbst. Vermutlich herrschte damals eine andere Physik mit Regeln, die der heutigen widersprechen. Wenn wir eine funktionierende Theorie finden, hätten wir gleich noch ein paar andere Rätsel gelöst. Zum Beispiel die Frage, was Dunkle Materie eigentlich ist.

"Wir kommen durch Kombination von Theorie und Experiment schon ziemlich nah, aber wir haben noch keine Ahnung, wie wir das mit dem Urknall zusammenbringen können."
Robert Harlander, Teilchenphysiker

Quantenphysik, Higgsteilchen, Supersymmetrie, Plasma. Das alles ist kompliziert. Aber es gibt Menschen, die das auch Laien gut erklären können: Der Teilchenphysiker Robert Harlander zum Beispiel, Professor für Theoretische Physik in Wuppertal. Seine Forschungsschwerpunkte: Theoretische Elementarteilchenphysik, Physik des Higgs-Teilchens, Quantenchromodynamik, Supersymmetrie. Auch am CERN, dem europäischen Kernforschungszentrum, das den Teilchenbeschleuniger LHC betreibt, hat er gearbeitet.

Im Rahmen der Frühjahrstagung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG) im März 2015 in Wuppertal hat er in seinen öffentlichen Abendvortrag "Tatort Urknall: Schnitzeljagd im Teilchenzoo" mal absolut verständlich erklärt, was wir derzeit über den Urknall wissen, aus welchen Bausteinen Materie entsteht und welchen Kräften sie ausgesetzt ist, woher wir das alles wissen und was wir noch nicht wissen: eine Menge.