Übernachten bei einer Hilfsorganisation – das ist die Idee hinter Socialbnb: Die Einnahmen fließen in die Projekte. Und im Zweifelsfall soll dieses Geschäftsmodell sogar nachhaltiger als Freiwilligenarbeit sein. 

Die Grundidee von Airbnb: Freie Zimmer oder die ganze Wohnung vermieten, wenn man im Urlaub ist. Eine Win-Win-Situation, denn die Vermieter generieren Einnahmen und die Mieter bekommen zu günstigen Preisen ein Zimmer oder eine Wohnung (mal davon abgesehen, dass es inzwischen Anbieter gibt, die Airbnb als Plattform nutzen, um professionell ihre Ferienwohnung zu vermieten).

"Warum fängt man nicht an, die Hilfsorganisationen zu unterstützen, indem man ihre Räumlichkeiten vermarktet?"
Nils Lohmann, einer der Projektleiter von Socialbnb

Ein Gründungsmitglied der Initiative "Socialbnb" hatte die Idee, das Konzept zu adaptieren, als er in Kambodscha eine Hilfsorganisation kennenlernte, die freie Räume zur Verfügung hatte. Ab und zu übernachteten dort Volontäre, die meiste Zeit standen sie aber leer.

Und so war der Grundgedanke von Socialbnb geboren: freie Räume von Hilfs- und Nicht-Regierungsorganisationen über eine globale Plattform vermitteln. Der Unterschied zu Airbnb: Die Einnahmen landen nicht bei privaten Anbietern, sondern bei den Hilfsorganisationen selbst.

Großer Unterschied zu Volunteer-Plattformen

Im Durchschnitt kostet eine Nacht über Socialbnb 20 Dollar. Das Geld landet zum größten Teil zwar direkt beim Anbieter, allerdings spricht Socialbnb mit seinen Gästen ein Finanzierungsziel ab. "Der Reisende sieht direkt, wofür das Geld verwendet werden soll", sagt Nils Lohmann, einer der Projektleiter. Zum Beispiel für den Bau von Schulgebäuden oder den Kauf eines Stückchens Regenwald.

Die Macher von Socialbnb sehen in ihrem Projekt einen großen Unterschied zu Plattformen, die Freiwillige oder Volontäre vermitteln, die zum Beispiel in Afrika ein paar Wochen lang an einer Schule arbeiten. "Wir glauben, dass den Organisationen am meisten geholfen wird, wenn man sie finanziert", sagt Nils Lohmann.

"Kinder sollten nicht von unausgebildeten Lehrern unterrichtet werden."
Nils Lohmann, einer der Projektleiter von Socialbnb

Nils hält beispielsweise den Unterricht durch einen lokalen und ausgebildeten Lehrer für sinnvoller als den durch eine nicht ausgebildete Freiwillige aus Europa, die nach ein paar Wochen wieder nach Hause fliegt.

Socialbnb ist deshalb auch keine Vermittlungsplattform für Freiwilligenarbeit. Die Übernachtenden können die Hilfsorganisationen zwar kennenlernen, wenn sie wollen. Wenn nicht, sind sie einfach nur zahlende Übernachtungsgäste.

Socialbnb listet aktuell (Stand: 01.03.2019) Übernachtungsmöglichkeiten in zehn Ländern auf, zum Beispiel in Peru, Nepal, Uganda und Kambodscha. Bis Ende 2019 sollen es 100 in 30 Ländern sein. Für die Vermittlung von Schlafplätzen nimmt Socialbnb eine Provision, die die laufenden Kosten deckt – zum Beispiel, um die Webseite zu hosten. Die Mitarbeiter arbeiten ehrenamtlich.