In der Tiermast ist Soja sehr beliebt, wird allerdings überwiegend aus dem Ausland eingeführt. So wird nach der idealen Sorte für den Anbau in Deutschland gesucht.

Soja ist gefragt auf dem Weltmarkt. Deshalb wird die Pflanze zunehmend auch in Deutschland angebaut und vermarktet. Vor allem in Bayern und Baden-Württemberg wächst die Bohne auf immer größeren Flächen. Sie landet als Futter im Stall oder als Tofu auf unserem Teller. Aber optimal läuft der Anbau noch nicht. Das Sojasaatgut ist für unsere Breitengrade nicht ideal.

An der Stuttgarter Universität Hohenheim wird deshalb an neuen, resistenten und für unser Klima optimalen Sojasorten geforscht. Volker Hahn arbeitet dort. Er ist einer der wichtigsten Wissenschaftler in Deutschland, wenn es um die Züchtung von Sojabohnen geht. Die Landessaatzuchtanstalt ist eine Außenstelle der Universität. Sie liegt in der Rheinebene, kurz vor der französischen Grenze.

Seit 2008 sucht Volker Hahn nach der optimalen Bohne für dieses Klima. Ihm geht es vor allem um möglichst großen Ertrag bei variablen Umweltbedingungen. Den Landwirten soll auch bei Wetterschwankungen eine möglichst gute Ernte sicher sein.

"Die beste Bohne ist erstmal die, die unter möglichst unterschiedlichen Umweltbedingungen viel Ertrag hat."

Mit seinem Team hat Volker Hahn mehrere Sorten auf den internationalen Markt gebracht und weitere angemeldet. Er kreuzt alte und neue Sorten aus der ganzen Welt.

"Also sie sehen hier, die jetzt noch ein bisschen grüner sind. Die haben dafür eine Resistenz gegen Pilzkrankheit. Und die versuchen wir jetzt einfach in unser Material einzulagern."

Die Bestäubung der Sojablüten ist mühsame Handarbeit, denn sie sind so klein, dass eine Pinzette von Nöten ist. Lohnende Arbeit, findet Volker Hahn, denn die Nachfrage nach Sojasaatgut nimmt auch in Deutschland zu. Vor zehn Jahren wurden hierzulande auf rund 4000 Hektar Sojabohnen angepflanzt. Inzwischen sind es 32.000. Im Vergleich zu Weizen oder Mais ist das aber immer noch verschwindend gering.

Viel Futter, wenig Tofu

Das sei eine erfreulich kontinuierliche Entwicklung, sagt Jürgen Recknagel. Er leitet die Abteilung Ökolandbau am baden-württembergischen Landwirtschaftlichen Technologiezentrum und den Verein Sojaförderring. Nur verhältnismäßig wenige Sojabohnen werden zu Lebensmitteln verarbeitet. Die meisten landen im Futtertrog von Schweinen oder Hühnern.

Das eiweißreiche Sojaschrot ist gut für das schnelle Wachstum der Tiere, und der Bedarf der Fleischindustrie ist groß. Jürgen Recknagel findet, die Menschen könnten mehr Tofu essen und Sojamilch trinken, statt die Bohnen an die Tiere zu verfüttern.

Deutschland importiert wird fast das gesamte Soja, überwiegend aus den USA und aus Brasilien. Auch die EU deckt ihren Sojabedarf überwiegend durch Importe, obwohl Italien und Österreich selbst viel anbauen. Die EU will die Abhängigkeit von Einfuhren verringern. Sie fördert Sojaanbau im sogenannten Greening-Programm, als ökologischer Ausgleich im herkömmlichen Anbau.

"Die Sojabohne hat den großen Vorteil: Wir müssen keinen Stickstoff düngen. Das ist sehr gut für die CO2-Bilanz. Das ist sehr gut für den Boden."

Die Sojapflanze kann ihren Stickstoff selbst produzieren. Das ist gut für den Boden, vor allem auch wenn Soja im Wechsel mit Mais oder Weizen angebaut wird. Mit Soja aus Deutschland lässt sich gut Geld verdienen – wenn er ökologisch angebaut wird. Bei herkömmlichem Soja müssen Landwirtinnen und Landwirte mit den teils niedrigen Preisen aus Übersee mithalten. Am besten sei deshalb: Regionale Vermarktung, sagt der Sojaanbauexperte Jürgen Recknagel.

Er hofft, dass sich die Anbaufläche von möglichst ökologischem Soja in Deutschland in den kommenden Jahren mindestens verdreifacht. Das wären dann rund 100.000 Hektar – eine Fläche immerhin so groß wie die Insel Rügen. Die Anbaufläche für Weizen in Deutschland ist 28 Mal so groß.