Es ist die bisher spektakulärste Expedition zum Mittelpunkt unseres Sonnensystem: Zehn Jahre hat es gedauert, nun ist die Raumsonde "Solar Orbiter" ins All gestartet und auf dem Weg zur Sonne. Dort soll sie Bilder von Regionen machen, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat.

Mehr als drei Jahre wird die Reise dauern: Die "Solar Orbiter" ist am Morgen (10.02.) vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida in Richtung Sonne gestartet. Es ist ein gemeinsames Projekt der Europäischen Raumfahrtagentur Esa und der US-Behörde Nasa. Bis auf 42 Millionen Kilometer soll die Sonde an die Sonne heranfliegen - und ist ihr dabei näher als der sonnennächste Planet Merkur.

Wo das Weltall mörderisch heiß ist

Am Zielort von "Solar Orbiter" ist es mehrere Hundert Grad Celsius heiß. Darum braucht die Sonde spezielle Hitzeschilde aus Titan, die die Instrumente schützen. "Es gibt einen Hitzeschild, der einige Quadratmeter groß sind", erklärt Astrophysiker Michael Büker. Befestigt ist dieser Schild nur mit zehn winzigen Stäbchen an "Solar Orbiter" - so kann wenig Wärme weitergeleitet weden. Klingt wackelig, soll die Sonde aber perfekt vor Hitze schützen.

Auf der Sonnenoberfläche herrschen rund 5500 Grad Celsius, im Inneren der Sonne sind es bis zu 16 Millionen Grad.

"In einigen Jahren wird 'Solar Orbiter' den allerersten Blick für uns auf die Pole der Sonne bieten."
Michael Büker, Astrophysiker

Die Mission der Sonde: Sie soll einige Geheimnisse unserer Sonne lüften. Sie wird sich mehrmals an der Venus abstoßen und so eine Umlaufbahn einnehmen, die "Solar Orbiter" über die Pole der Sonne führt - und dort Fotos machen. "In einigen Jahren wird 'Solar Orbiter' den allerersten Blick für uns auf die Pole der Sonne bieten", sagt Michael Büker.

Solar Orbiter soll Weltraumwetter erforschen

"Solar Orbiter" soll außerdem das Magnetfeld der Sonnenoberfläche untersuchen. "Das hat Einfluss darauf, welches Weltraumwetter herrscht", erklärt Michael Büker. Das Magnetfeld sorgt dafür, dass geladene Teilchen von der Sonne gelöst und ins Weltall hinaus geschleudert werden. Wir kennen dieses Phänomen als Sonnenwind.

Es kann aber auch zu koronalen Massenausbrüche kommen, gewaltige Eruptionen auf der Sonnenoberfläche. Das sind größere Ströme von geladenen Teilchen, die sich massenhaft von der Sonne lösen. Für uns auf der Erde sind die ziemlich ärgerlich: Sie stören etwa Funkverbindungen, Navigationssysteme und Satelliten in der Erdumlaufbahn. Auch können die Eruptionen Stromausfälle verursachen.

Solar Orbiter soll diese Eruptionen hervorsagen. Das Ziel: eine echte Vorhersage für das Weltraumwetter. Denn bisher können die Weltraumforscherinnen und -forscher bei einem koronalen Massenausbruch nur eine Vorwarnzeit von wenigen Stunden geben.

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In dreieinhalb Jahren soll die "Solar Orbiter" ihre Umlaufbahn um die Sonne erreichen und dann mit der Arbeit richtig loslegen. Das Gemeinschaftsprojekt von Nasa und Esa kostet voraussichtlich rund 1,5 Milliarden Euro und soll insgesamt etwa zehn Jahre dauern.