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Wie solidarisch ist unsere Gesellschaft? Einer Frage, der die Sozialwissenschaftlerin Jutta Allmendinger unter anderem in ihrer Vermächtnis-Studie nachgegangen ist. Dabei hat sie festgestellt: Es gibt Unterschiede in unserem Verhalten, je nachdem, ob es sich um unsere Familie handelt, oder Menschen außerhalb davon.

Solidarität lässt sich wissenschaftlich untersuchen. Genau das hat Jutta Allmedinger gemacht. Die Professorin und Sozialwissenschaftlerin ist Präsidentin des Wissenschaftszentrums in Berlin. In Bezug auf Solidarität identifiziert sie wichtige Anker. Der eine Anker ist die Familie. Das ist der wichtigste Bezugspunkt für das Wir-Gefühl. Das heißt, solidarisches Handeln richtet sich vor allem auch an der eigenen Familie aus. Auf einer Skala von 1-10 würde die Wissenschaftlerin eine glatte 9 vergeben für super solidarisches Handeln.

Wenn es um die Brücken zu anderen sozialen Kreisen geht, also zu anderen Familien zum Beispiel oder den Freundesbanden, dann würde Jutta Allmendinger aufgrund der erhobenen Daten aus der Vermächtnisstudie weit weniger Punkte geben. Da wäre es eher eine fünf.

Ob die Auswirkungen der geringeren Solidarität nach außen gut oder schlecht sind, ist nicht so einfach zu beurteilen. Denn es kommt auch darauf an, wie der oder die einzelne damit zurecht kommt. Für die Wissenschaftlerin ist das aber ein Hinweis darauf, was zu tun ist, um die Solidarität in den Außenbereich erhöhen zu können. Das könne mit bewussten Anreizen unterstützt werden.

"Diese ganzen Nachbarschaftshilfen, dieses bewusst auf Andere schauen, das kann man mit Anreizen versehen."
Jutta Allmendinger, Professorin der Sozialwissenschaften

Die im Blick behalten, denen es schlecht geht

Das heißt zum Beispiel, Nachbarschaftshilfe zu honorieren, Schülerinnen und Schülern zum Beispiel Geld zu geben, wenn Sie sich engagieren. Oder Studierende, denen die Jobs in der Gastronomie weggebrochen sind, könnten als Unterstützung im Homeschooling eingesetzt werden. Jutta Allmendinger bezeichnet das als Sozialinnovationen, also etwas, das die Gesellschaft zusammenbringt und Brücken schlägt. Denn gerade diese gesellschaftlichen Brücken würden einbrechen dadurch, dass die Menschen sich stärker ins Private zurückziehen müssten.

"Wir haben leider im Moment ja die Tendenz, dass die gesellschaftlichen Brücken wieder einbrechen durch die Verlagerung des Lernens nach Hause, der Arbeit nach Hause."
Jutta Allmendinger, Professorin der Sozialwissenschaften

Das sei im Zweifel für den Familienzusammenhalt natürlich gut, aber für eine Sozialwissenschaftlerin sind auch die Beziehungen nach Außen in die Gesellschaft wichtig, sagt Jutta Allmendinger.

Wie lange eine Gesellschaft diese Verengung der sozialen Kontakte durchhält, kann auch Jutta Allmendinger nicht sagen. Auch, weil es die Menschen ganz unterschiedlich betrifft. Jetzt komme es hauptsächlich darauf an, dass alle, die gut oder sogar besser dastehen, diejenigen im Blick haben und auch immer wieder ins Bewusstsein rücken, die ganz schlecht dastehen durch die Pandemie.